56Aus dem alten Piersen.so wurde die Souveränität St. Gereons stets lockerer, und unterder spanischen Herrschaft im sechszehnten Jahrhundert bildeteViersen einen integrirenden Theil des Herzogthums Geldern. Esbildete mit Grefrath, Lobberich, Hinsbeck, Wanckum, Leuth undHerongen das Amt Krickenbeck. Mochte St. Gereon auch nochso dringend an seine Dominialrechte erinnern, Spanien betrachtetesich als Lehnsherrn der Viersener Herrlichkeit und concedirte demCapitel nur die „Tochte“ oder das Nutznießungsrecht. DiesesLehnsrecht bestand bis zur französischen Republik, und wenn auchdes Stifts Dominialrechte so weit geachtet wurden, daß es unbe-hindert die Zins= und Zehntgefälle „tochte“, d. h. einzog, sowehrte sich die spanische und preußische Regierung ganz entschie-den gegen die Ausübung etwelcher souveräner Rechte. FolgendeUrkunde gibt uns zwar den Beweis, daß man von Viersen daranzu rütteln verſuchte, ohne aber irgend einen Erfolg zu erzielen:„Wy Schepenen, Geſwoorens ende Geerffde der HeerlyckheydtVierssen verclaeren, geconstituert ende bevolmachtight te hebben,gelyck wy doen mits desen, de eersaeme Jacob Rutters und Ja-cob tho Bussen, om in onser ende onser Gemeynde Naeme sichtot Gelder te addresseren by Rechtsgeleerde ende te doen ver-soecken by Ihro koninghlycke Majestät by den olden Rechten,Vryheyden ende Gewoente, wie voor 300 Jaeren dese Gemeyntein Brauch ende Possessie gewest, te moghen verblyven by den In-houdt van den Register der Heeren van St. Geron opgerichtanno 1408 ende dat den nieuwen Register de anno 1715 gantscontrarie aen den voorseyden mogh door Commissarien van IhreConincklycke Majestät offte anderswo absque processu geanulleertworden, belovende alle het ghene onse Geconstituerde hierinne ge-daen offte sullen doen, te sullen houden voor goedt, bondigh endevan Weerde, onder Verbondt al naer Rechten in Oircondt.Vierssen, den 18. Augusti 1719.Anders verhielt es sich mit der Jurisdiction oder Gerichts-barkeit. Die Viersener Gerichtsbarkeit beruhte auf dem Karo-lingischen Scabinal= oder Schöffengerichte mit treuer Wahrungder patrimonialen Rechte des geistlichen Dominiums. Gereon istin dem Besitze seiner patrimonialen Gerichtsrechte außer einerzeitweiligen Störung (1673—1687) bis zur französischen Herr-schaft unangefochten geblieben. 1673 nämlich verkaufte Spaniendie rechtlich mit dem Dominium unauflöslich verbundene Erb-gerichtsbarkeit des Stiftes an den Obersten von Mernich, dienach dessen Tode an seine Wittwe, eine geborene von Stockum,überging. Ueber den Widerstand des Viersener Gerichtes gegendiesen Schacher fanden sich im Archiv noch folgende Notizen undUrkunden vor. 1. „Den 16. Juny 1674 is der weledle JunckerJohan Bertram van Laer als Gevolmachtig van den Oversten
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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