49Handwerk.Preizehntes Capitel.Handwerk.Das Viersener Handwerk findet sich in keiner Zeit der Ge-schichte zu einem zünftigen Leben organisirt, trotzdem die Stärkeeinzelner Gewerke hinreichenden Boden dazu gewährt hätte. Un-sere Nachrichten über das handwerkliche Leben selbst, über dasVerhältniß der Meister zu den Gesellen und Lehrlingen sind daherſehr dürftig, und alles, was wir vom Viersener Handwerk wiſſen,stützt sich auf die sogenannten historischen Tabellen, welche vonDie1750—1787 vorhanden sind, und die Rechnungsbücher.undHandwerksgesellen nannte man in allen Branchen Knechtegab's „Meesterknechte“ und „Onderknechte“. 1680 finden wirer-die Notiz, daß ein Knabe, welcher das „Cuypershandwerklernen wollte, ein Lehrzeit von acht Jahren bestehen mußte, da-gegen bei den Meisten freie Station und kein Lehrgeld zu be-zahlen hatte. Unter der französischen Republik (11 Germinal XII)fanden erſt die Handwerks⸗Wanderbüchlein in Vierſen Eingang:ſie koſteten per Stück 7 ½ Stüber.Die Stärke der Zunft der Böttcher wechselte zwischen einsund drei; während 1750 nur ein Meister dieses Handwerk trieb,finden wir 1753 ihrer zwei, 1767 keinen, 1768 drei, 1777 einen1783 und die folgenden Jahre zwei. Die Zahl der Drechslerist 1750 neun, 1767 sieben, 1768 sechs, 1777 fünf, 1778 sechs,1783 sieben, 1786 acht. Verhältnißmäßig gering stellt sich dieZiffer der Tischler, weil die Hauptschreinerarbeiten Sache des„Timmermans“ waren. Erstere zählten 1750 fünf, 1767 keinen,1768 drei, 1777 und die folgenden Jahre fünf. Ungleich aus-gedehnter war die Zunft der Zimmerleute. Ihre Stärke beliefsich 1750 auf zwanzig, 1752 auf 18, 1777 auf fünfzehn, 1781sechszehn, 1786 auf achtzehn Meister. Ueber die Arbeit der Zim-merleute, namentlich über die Anlage von Balken an den Ka-minen, führte die Gemeinde eine von Berlin und Geldern häufigeingeschärfte Controle. 1790 betrug der Lohn der Zimmerleutefür den Meiſter 20, für den Knecht 18 Stüber per Tag. DerCubikfuß Holz kostete in damaliger Zeit 2 bis 3 Stüber. DieZahl der Rademacher belief sich 1750 und 1786 auf vier, inder Zwischenzeit wechselte sie zwischen drei und zwei.Die Zahl der Maurermeister variirte bis 1786 zwischen einsund drei, stieg dann auf vier. In früherer Zeit schon muß die Nei-gung dieſes Handwerks zum Genuß geiſtiger Getränke eine ſprich-wörtliche gewesen sein, wenigstens heißt es 1706 von ihnen, „sy heb-ben meerder Appetyt, om ganße Daeghen Wachelerwaeter ende Bier
Druckschrift
Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Seite
49
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten