48Aus dem alten Viersen.½ Gulden, gleichfalls das Pfund Siegellack, die Dinte perMaaß dreißig, das Dutzend Bleistifte acht und zwanzig Stüber.Der Handel mit Lumpen oder „Plaggen“ wurde von Gel-dern aus verpachtet. Aehnlich den „Plaggenhandelaers“ zogenauch die Händler mit „Aerdewaaren“, meist in Viersen selbstgebackenem Fabricat, an den Häusern vorbei.Der Salzhandel war bekanntlich Monopol der Regierungund war Viersen verpflichtet von der Hauptsalzfactorei in Gel-dern ein bestimmtes Quantum Salz zu entnehmen. Der Salz-debit in den einzelnen Ortschaften wurde an einen vom Königepatentirten und vereideten „Seller“ übertragen, bei welchem jedeHaushaltung ihren Salzbedarf entnehmen mußte, und welcher alsMeßlohn 5 pCt. erhielt. So mußten am 25. Mai 1753 Anto-nius Esser, Rector des Klosters St. Pauli, Anna CatharinaThynen „Moedersche“, Anna Margaretha Backes „Procuraterscheund Antonia Twangs „als Kock off Dirigeerende ende doendede Menagie van het Closter“ den Verdacht fremdes Salz gebrauchtzu haben abschwören und an Eidesstatt erklären, „dat sy in denJaere 1751 in hunne Menagie geen vrembt nochte ander Saltgebruyckt offe ingecoght hebben als het gheene sy by de alhyer totVierssen aengestelde Sellers hebben laeten haelen.“ Hauptsellerwar von 1737 bis 1782 der Rendant J. J. Thynen, 1782 bis1789 sein Sohn J. Anton Thynen, von 1789 bis zur Republiksein Schwiegersohn Jakob Moll. Dem Hauptseller wurden zumkleinen Debit anfangs ein, durch Erbtagsbeſchluß vom 22. Juli1765 vier, 1770 sieben Unterseller beigegeben. Auf jede Personüber neun Jahren wurde ein Salzverbrauch von 5 Metzen jähr-lich, auf jede milchende oder tragende Kuh 2 Metzen in Anschlaggebracht, welche jede Haushaltung entnehmen mußte. Die Quan-tität, welche der Seller in Geldern entnehmen mußte, war aberdem wirklichen Consum gegenüber zu hoch gegriffen. 1770 lagenin Geldern zur Disposition für Viersen noch 83 Tonnen, welcheeine Summe von 1228 Rx. 25 St. repräsentirten, zu deren Be-zahlung die Gemeinde Capitalien aufnehmen mußte. 1777 restirtedie Viersener Sellerei wiederum 53 Tonnen oder 667 Gulden16 Stüber, die aber in Erwägung der Unmöglichkeit, die Consu-menten über Bedarf zur Abnahme zu zwingen oder die Differenzder Gemeindecasse aufzubürden, von Geldern nachgelassen wurden.Die Metze wurde im Detailverkauf zu 7 ½ bis 8. Stüber abge-geben. Unter französischer Herrschaft fiel das Salzmonopol, undwaren es namentlich herumziehende Breyeler Krämer, welche zehnbis fünfzehn an der Zahl Viersen durchzogen und das Salz anden Häusern feilboten.~
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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