47Handel.der Baumwollenstoffhandel Italien und Südfrankreich. Durchden engliſch⸗franzöſiſchen Krieg und die deshalb getroffenen Vor-kehrungen der Regierung, namentlich durch die vom Unterpräfectenauszustellenden Certificats d'origine erlitt der Exporthandel be-deutende Verluste.Das kaufmännische Geschäft wurde sehr einfach ohne denApparat der modernen Buchführung betrieben. Der „Coophan-delaer“ hatte seine „Manuale of Reckenboecken“, in denen er seineActiva und Passiva in sehr ursprünglicher Form notirte. Diese„manuale Boecken“ reichten auch ohne Zeugen als Beweis einerForderung hin. Doch unterschieden sich hierin die „Coophande-laers“ nicht von den Uebrigen, sein „Reckenboecken“ führte jeder,Bauer wie Weber, und wenn er selbst nicht schreiben konnte, ließer diese Buchführung von seinen Kindern, Knechten oder demLehrer besorgen. In frühern Zeiten allerdings muß es in Vierseneinen professionirten Kaufmannstand gegeben haben, so wird 1685ein Jan van Haelen als „rycker Coopmann ende Geltwesselererwähnt.Der Kleinhandel stand natürlich im Verhältniß zur Ein-wohnerzahl, und versorgten die „Cremeryen“ oder „Winkel“ dieEingesessenen mit allen Bedürfnissen. So finden wir die „Laeckenof Stoffenwinkel“, die „Linnenkeetel“ und „Vettweryewinkel“ oderSpezereihandlungen gewöhnlich in einem Geſchäft vereinigt. Nichtselten trat auch der Ausschank geistiger Getränke noch hinzu. Indemselben Laden, wo sich die Viersener Bürgerfrau ihren Rock,ihren „Rylyf“ (Reihleibchen) zu 40 bis 60 Stüber oder ihre„Mouwen“ (Aermel) zu 20 bis 30 Stüber oder „Sargye“„Vischben“ oder „Laecken“ kaufte, konnte sie auch Kaffe, Zucker,Oel, Stärke und sonstige Küchenbedürfnisse einkaufen, und wo derVierſener Bürger ſich mit „Hoeſen, Roeck ende Camiſael“ ausſtaf-siren ließ, oder sich gegen die Kälte um sechs Schilling mit einem„Paar Hirtzefellhantschoon“ zu schützen suchte, stand ihm auch ein„Dröpken“ zur Weckung seiner durch das Handeln und Feilschenermatteten Lebensgeister zu Gebote. Doch hatten auch die jüdischenKleiderjuden in den benachbarten Orten wie Dülken und Wald-niel an den Viersener Frauen gute Kunden. 1774 zählte Viersenvier und dreißig verschiedene Winkelladen. Thee und Porcelan-waaren durfte man nach dem Gesetz vom 29. Juli 1755 nurdurch die „octroirte asiatische Handlungs=Compagnie in Embdenbeziehen. Der Inventarbestand einer gut assortirten „Cremeryewurde um 1755 auf 350 Reichsthaler geschätzt.Von den Winkeln wurde Viersen wahrscheinlich auch mit dennöthigen Schreibmaterialien versorgt, wenn auch die Gemeinde-verwaltung dieſe Artikel aus Crefeld bezog. Die Preiſe waren:das Buch Propatriapapier zwanzig Stüber, hundert Schreibfedern
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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