Druckschrift 
Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

Aus dem alten Viersen.So lauteten die officiellen Berichte; die wirklich bezahltenPreise beweisen uns aber beispielsweise beim Roggen, daß derselbeim Jahre 1811 per Hektoliter mit 14 bis 15 Franken bezahlt wurdeund 1812 zu einem Preise von 19½ bis 30 Franken stieg.1630 kostete noch ein Malter Korn 2½ Reichsthaler, 1714 fünf,während es 1796 unter elf nicht zu haben war.In den Jahren 1812 und 1813 stoßen wir auf den Versuchder Zuckerrübencultur, der aber nach der Bebauung von 6,915Aren aufgegeben wurde. Gleiches Schicksal hatte einige Jahrefrüher der im Heimer und Ummer begonnene Tabackbau erlitten.Zehntes Capitel.Viehzucht.Die Viehzucht ist in Viersen niemals Gegenstand besondererPflege gewesen und nur insoweit betrieben worden, als es derAckerbau mit sich brachte. Die obengenannte Petition von 1700führt als Grund den Mangel des Weidganges an, weshalb selbstdie Meistbegüterten nicht mehr als drei Kühe besäßen, die sieauf ihren eigenen Ländereien unterhielten. Diesem Mangel wäreaber leicht abzuhelfen gewesen, der wahre Grund liegt zweifels-ohne in der industriellen Beschäftigung der meisten Einwohner,die ihnen zur Pflege der Viehzucht keine Zeit übrig ließ. Dochzählte Viersen im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts durch-schnittlich acht Gemeindehirten, welche von den Geschworenen inden einzelnen Vroghen ernannt wurden.Die Anzahl der Pferde betrug im Jahre 1789: 307, 1791:327, 1795: 256, 1798: 279, 1799: 264, 1816: 234 und 58Fohlen. In letzterm Jahr finden wir auch die Verwendung vonZugochsen erwähnt, deren sich im Beberich 2 und im Heimer 7befanden. Pferde wurden verkauft 1679 zu sechs und einemhalben Reichsthaler, 1689 zu neun bis fünfzehn, 1732 zu elf biszwanzig Reichsthaler. 1690 wurde der jährliche Futterlohn eineszu 28 Rx. verkauften Pferdes mit neun Rx. berechnet. 1796dagegen wurde ein Pferd mit Zäumung zu 77 Reichsthaler 30Stüber berechnet. Namentlich des Handels mit geraubten Mili-tärpferden wegen waren unter spanischer Herrschaft die Pferde-märkte, welche die Eingesessenen besuchen durften, genau bestimmtund Verkäufe unter der Hand außerhalb des Pferdemarktes strengverboten. Am 9. Juni 1697 erkaufte daher Bürgermeister Ly-straeten von der Ruremonder Behörde für Viersens Einwohner