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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
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39Acherbau.Der Ackerbau hatte sich, so lange Viersen unter preußischerHerrschaft stand, von Seiten der Regierung stets einer besondernBerücksichtigung und Fürsorge zu erfreuen. Am 13. Februar1747 wurden auf Befehl Friedrich des Großen die in erster Linieund zu Gunsten der Manufacturen den Ackerbau drückenden Do-mainen=Abgaben mit 6236 Reichsthaler 25 Stüver von der Ge-meinde abgelöst, und nachdem im ferneren Verlaufe auch die Na-turalabgaben an die Vicarien und Küster in Wegfall kamen, wa-ren die meisten Bauernhöfe außer den ordinären Schatt= undZinslasten „vrylos allodiaele“ Erbgüter. Die Spann⸗ und Pick-dienstpflicht wurde erst durch die Franzosen aufgehoben. DieRegierung suchte dabei durch Verordnungen den damals für Feindedes Ackerbaus erachteten Spatzen und Krähen den Garaus zumachen. So war in Viersen jeder Familienvater verpflichtet, fürjede Person seines Haushaltes einen Sperlings= oder für je zweiPersonen einen Krähenkopf einzuliefern. Nach dem Gesetz vom8. Januar 1731 mußte jeder Städter zwei, jeder Bauer zwölfund jeder sonstige Landbewohner sechs Sperlingsköpfe einliefern:1816 legte man auf jedes Haus eine Abgabe von drei, auf jedendritten Morgen eine von einem Kopf. Mit der französischen In-vasion sank der Ackerbau in raschen Proportionen. War auchder Maire unter Napoleon verpflichtet, monatlich an den Unter-präfecten einen Bericht über die agrarischen Verhältnisse und dieFruchtpreise einzusenden, so beruhte diese Aufmerksamkeit mehrauf einem militärischen, die Chancen der Truppenfouragirungenberechnenden, als auf einem volkswirthschaftlichen Interesse. 1789war ein Deficit von 808 Malter Weizen, 1776 Malter Roggen,718 Malter Gerste und 157 Malter Buchweizen. Im Augustdes Jahres 1809 repräsentirte der Ertrag der Ernte ein Minusvon 10,666 Hektoliter gegenüber dem Bedürfniß der Bevölkerungund im Jahre 1812 wurde das in der Gemeinde vorräthige Ge-treide auf nur 2911 1/5 Hectoliter geschätzt. 1817 betrug dasMinus 8089 Scheffel Weizen, 51644 Scheffel Roggen, 8176Scheffel Gerste, 37632 Scheffel Hafer, weshalb die Regierung einebedeutende Roggeneinfuhr von der Ostsee veranlaßte. Die Berichteder Maire ergeben für den Hektoliter folgende Preise in Franken:Septbr.JanuarDechr.Augus.JuniMärz1812181218131815181218121311311413½16Roggen212127Weizen11¹/11 ¼9¾Buchweizen8¼131211¹/Gerſte6 ½Hafer