Officielle Essen und öffentliche Feste.25kannte man in der vorfranzösischen Zeit nicht. Bei Siegender preußischen Armee, so der Eroberung Prags 1744 und„wegen der glorieusen Victorie“ über die Oesterreicher bei Kessel-dorf im folgenden Jahre, fand feierliches Glockengeläute undTedeum statt. Zuweilen wurden bei solchen Siegesfesten Aufzügeder Junggesellen arrangirt, wofür denselben von der Gemeindeein Tractament zuerkannt wurde. So finden wir 1742 in denGemeinderechnungen zwölf Gulden in Anrechnung gebracht „dende Kercker en Rintger Jonggesellen wegen den Opzugh wegender Victorie, soo onse allergnädigste Majestät erhalten in Schle-sien“. Als dagegen Prinz Albrecht Friedrich von Preußen starb,wurde vierzehn Tage lang mit den Glocken geläutet und „sesWeechen stillstaen van alle Musique“ angeordnet. Im März1795 war die Gemeindeverwaltung so vernünftig „die eigeneFreude über die siegreichen Fortschritte, welche die fränkische Armeein Holland gemacht“ durch Vertheilung eines halben Brodes anjeglichen Hülfsbedürftigen zu äußern und außer dem obligatenGlockengeläute und der Aufpflanzung eines Freiheitsbaumes vordem Rathhause alle kostspieligen Belustigungen abzulehnen. Erstin der Freiheitsfeier vom 3. October 1798 finden wir die noth-wendige Requisite eines modern officiellen Festes, allgemeineHäuserillumination und Festball. Im Jahre X am 18. Bru-maire begnügte man sich aber das Friedensfest mit einem drei-maligen Geläute in den Pfarrkirchen und dem Convente, denFriedensschluß zwischen Frankreich und England am 24. desselbenMonats mit Hochamt, Festpredigt und Tedeum feiern zu lassen.Bei dem Feste der Geburt des Königs von Rom 1811 trat Fest-souper und Ball hinzu, wie wir in den Gemeinderechnungen desJahres 1813 ein Dutzend Schwärmer à vier Stüber, ein Radund drei Raketen à 24 Stüber zur Feier des Napoleonsfestesberechnet finden.Beliebter waren jedenfalls die Volksfeste, wie Kirmes undJahrmärkte. Das Kirchweihfest oder die jetzt am Sonntag nachFrohnleichnam abgehaltene Frühkirmes fiel bis in dieses Jahr-hundert hinein auf den ersten Maisonntag. War der erste Maiselbst ein Sonntag, so wurde sie auf den zweiten Sonntag ver-legt. Diese Weise der Frühkirmesfeier begegnet uns noch 1817.Das Patronfest St. Remigii wurde mit einer einzigen Unter-brechung während der französischen Republik, welche dasselbe abro-girt, und an dessen Stelle einen Jahrmarkt auf den zweitenSonntag angeordnet hatte, am ersten Octobersonntag gefeiert.Die „Kermis aen Capelle St. Helenae op Pinxtmondagh“ habeich 1720 zuerst erwähnt gefunden. Die Honschaft Beberich hattevon Alters her aus mir unbekannten, aber jedenfalls für dieFrage der Zusammengehörigkeit der einzelnen Honschaften wich-
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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