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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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20Aus dem alten Piersen.mation (der sogenannten „Leetsch“), am Hochzeitstage, bei Leichenessenwurde Branntwein tractirt. Eltern, die zu Gunsten der Kinderauf ihr Eigenthum verzichteten, sogenannte „Aoſtänder“, behieltensich vor, „nu en dan een Glaesken Fousel moeghen drinken“, Ver-käufe wurden mit einem oder mehreren Gläschen besiegelt undhieß der technische, in den älteren Urkunden vorfindliche Ausdruckdafür „den Lykoop drinken“. Mancher Viersener hatte sein ei-genes Fäßchen im Keller liegen oder ließ ihn sich in der Schenke,dem „Fouseltapp“ oder „Fouselkeetel“, mit Kannen, oder ganzen,halben oder viertel Maßen holen. So bezahlte man 1730 für eineKanne 8, 1794 für „een Viertel Klooren“ 5, 1796 für ein Maaß40 Stüber. Das „Gläsken“, im „Fouseltapp“ selbst consumirt, galteinen Stüber. Mehremals mußte die Regierung Verbote gegen dieBenutzung einheimischen Korns oder der Kartoffeln zur Branntwein-brennerei einlegen. Schon früh scheint die Sitte verbreitet gewesenzu sein, zum Wachelwater „Peperkoek te eten“.Den Wein, für den wir den Bezeichnungen „Blickart“, „witteWyn“ und „Roedwyn“ begegnen, verzapfte man in Maßen,Schoppen, Kannen, Pinten und Püttelchen. Von Zeit zu Zeitfand eine amtliche Weinprüfung statt, zu der die einzelnen„Wyntappers“ Proben ihrer sämmtlichen Weinsorten auf demRathhause den Gemeindevorstehern vorsetzen mußten. Die Ge-meindemänner prüften jede Sorte und setzten nach ihrem Gut-achten die Preise fest. Einer solchen Weinprüfung begegnen wirin den Erbtagsverhandlungen vom 8. Februar 1723. SechsWeinzapfer waren mit ihren Weinsorten erschienen, und wurdeBleichart zu 10 Stüber per Kanne, Weißwein zu 12 Stüberdurchschnittlich taxirt. 1747 kostete eine Maß Rheinwein 24,Moselwein 26 Stüber, 1777 7½ Kannen Bleichart 3 Reichs-thaler und ein Püttelchen 18 Stüber. Dietrich Preyer forderte1798 für einen Anker, den ihm französische Chasseurs ausgetrunkenhatten, 14 Reichsthaler, und rechnete man in der französischen Zeitden Schoppen mit 12 bis 15 Stüber, die Flasche durchschnittlich2 Franken.Daß man den Wein, wenigstens in späterer Zeit, zuweilenheiß trank, zeigt ein unangenehmer Vorfall, dessen Opfer derBürgermeister Preyer geworden war. Zu demselben kam nämlichim Laufe des Decembers 1813 ein vorgeblicher französischer „Com-missaire de guerre“, Namens Corves, und forderte von ihmbinnen 24 Stunden enorme Lieferungen für die Festung Wesel,säumigenfalls drohte er ihn niederschießen zu lassen. Diesem setztePreyer genannten Glühwein vor, wozu Corves ihn und den Ad-juncten miteinlud. Auch Corves' Gensdarm und Bediente warenbei der Partie und, wie Preyer in der Beschwerdeschrift klagt,mußten sie bis zur dritten Morgenstunde Zuschauer einer ent-