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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
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rtenderdesaer

Speisen und Getränke.kostete ein Schwarzbrod 27, ein Brödchen 4 Stüber. 1792 kosteteein fünfzehnpfündiges Brod 24 Stüber. Das Brodgewicht wurdeauf den Erbtagen normirt. So setzte man in der Erbtagssitzungvom 2. Januar 1723 das Gewicht der „Weggen“ auf zwölf, inder vom 21. April 1727 auf neun und ein halb Loth fest. Unterden feinern Bäckerwaaren waren „Beschutten ende Plätzgen“ unddie „Britzeln (à 1 Stüber) die beliebteſten. Venloer „Peper-„koeck“ kaufte man gewöhnlich den Kindern auf den Märkten.Doch hatte auch jede Haushaltung ihre eigene „Koeckenpann“, aufder aus „Bookweet off fynem Koeckenmehl“ däftige Hausmanns-kuchen gebacken wurden. Neben dem Kaffee, welcher in einer En-gros=Rechnung von 1766 per Pfund zu 20 ½ Stüber berechnetwurde, spielte auch der Thee eine große Rolle, der in derselbenRechnung Mittelsorte per Pfund 50 Stüber, feine 2 R. notirtwurde. Thee trank man viel und allenthalben, denn in den In-ventaren selbst der gewöhnlichsten Bauernhöfe finden sich die „Thee-keetel“. Die ordinäre „Schotelkost“ bei der Mittagsmahlzeit warihrem vegetabilischen Bestandtheile nach zumeist aus Rüben, Möh-ren und Schotenfrüchten zusammengesetzt. Doch liebte man hiereine starke Würze — eine Beobachtung, welche auch Darstellerdes mittelalterlichen Culturlebens gemacht haben. Wenigstenswaren die Winkelläden mit dergleichen Spezereien, so Muscatnuß(per Loth 5¼ Stüber), Caneel (per Loth 8½ Stüber), Pfeffer(per Loth 1 Stüber) reichlich versehen. Ungemein groß war dervon der Regierung strenge controlirte Gebrauch des Salzes.Die gewöhnlichen Fastenspeisen bildeten Häringe (die Tonnezu 7 Rx.) und Stockfische (1724 per Pfund 4 ½ Stüber). Sonstwurde Schinken und anderes „Verkensfleesch“ am stärksten con-sumirt, und gab es keine größere Haushaltung, welche nicht ihreneigenen „Schinkenkeetel“ hatte. Ein geräucherter Schinken kosteteum 1760 1½ bis 2 Reichsthaler, ein Pfund Schweinefleisch 4¾Stüber. Von Zeit zu Zeit hielt das Gericht eine Fleiſchviſitationab, deren Ergebniß nach Geldern eingesandt wurde.Die gewöhnlichen Getränke bildeten Bier und Branntwein,oder wie er gewöhnlich genannt wurde, Wachelwaeter oder Wa-chelderwaeter und Fousel. Daneben treffen wir auch den Anis.Am beliebtesten war das Venloer Bier; dasselbe kostete 1739 perOhm 2 Reichsthaler 7 Schilling, in der französischen Zeit schonbis zu 7 Rx. Es wurde mit ganzen oder halben Maßen („eenHelfken Beier“) 1777 zu drei, 1794 zu vier Stüber und unterNapoleon mit sechs Stüber per Maß verzapft. 1809 stieg dasGlas Bier auf 2 Sous. Die Bieraccise wurde von Geldern ausgewöhnlich auf sechs Jahre verpachtet. Noch verbreiteter wardas Branntweintrinken. Der Viersener ergriff gerne jede Gele-genheit, „een Dröpken te drinken.“ Am Tage der ersten Procla-