15Pegräbnißwesen.eenen halven Rixdaeler Milck ende een Kan Bierenkrauts.“ DieseNotiz berührt mehrere der Punkte, welche uns in diesem Capitelinteressiren. Ueber die Aufwartung der Kranken haben wir nureine Bemerkung über die Verpflegung eines mißhandelten Knabenfinden können, welche mit einem Schilling pro Tag berechnetwurde. War der Kranke gestorben und ihm das Todtenhemdangezogen, welches nach königlicher Verfügung aus inländischenFabrikaten angefertigt sein mußte, so übernahmen Verwandte undNachbaren die „Dootswachte“, welche ununterbrochen bis zur Be-erdigung fortdauerte. Da sich in diese Todtenwache häufig jungeLeute beiderlei Geschlechts theilten, so gehörten dabei vorkommende„schandelooſe Leckeryen ende Comedien“ nicht zu den Seltenheiten.Die schöne Sitte, den Verstorbenen bis zu seiner Beerdigung nichtzu verlassen, welche der Liebe der nächsten Angehörigen entsprun-gen war, konnte eben auch nur so lange in ihrer Reinheit er-halten werden, als diese selbst sie übten; sobald sie gewohnheits-mäßig Fremden übertragen wurde, mußten Mißbräuche nothwendigeinreißen. Die Leiche des 1778 verstorbenen Caplans EngelbertThynen, an welcher wir ebenfalls eine betende Todtenwache finden,wurde am vierten Tage begraben. 1650 finden wir dagegen,wie uns eine Aeußerung des Schöffenprotokolls (vom 3. und 14.November) andeutet, noch die mittelalterliche Sitte, die Todtenam Sterbetage selbst zu begraben. Der Betreffende nämlich war„op Vrouwlichtmisse gestorven“ und wurde, wie es im folgendenSitzungsprotokoll heißt, auch „op Marielichtmisse Aevent begraeven.Noch vor oder kurz nach der Beerdigung wurden „tot Laffenissevan die doodt Ziel“ Wallfahrten nach benachbarten und auch ent-fernter liegenden Gnadenorten unternommen. Dort wurde einWachs⸗ oder Geldopfer dargebracht, denen wir, zuſammengerechnetmit den Reisediäten für die Wallfahrer, zuweilen in Vormund-schaftsrechnungen oder Testamenten begegnen. So werden 1706unternommen „twee Bittvaerdt naer Trier“, berechnet mit 12 Rx.,eine nach St. Thoenis, eine nach Corschenbroich, sechs PfundtWachs an die Kevelaerer Muttergottes; 1728 „een Bedtvaerdt11naer Nieuwerck, inbegrepen den Offer 2 schillingh 1½ stuyver1739 „een Pilgram naer Kevelaer 10 schellingh inbegrepen denOffer van 2 schellingh ende een nach S. Irmgaerdt met denOffer 3 schellingh“. Den nach entfernteren Orten ziehenden Pil-grimen wurde von dem Voght und den Schöffen ein Schutz= undGeleitsbrief ausgestellt, so einer Anzahl Viersener, welche 1692zu Ehren St. Matthiae eine Wallfahrt nach Trier antraten. Tod-tenkränze, auf den Sarg gelegt, werden bereits in einer Rechnungvon 1755 erwähnt; der hier gleichfalls berechnete „Zierbaumwird wahrscheinlich zum Schmuck des Grabes gedient haben. DieBegleitung beim Begräbniß gehörte zu den nachbarlichen Pflichten,
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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