Aus dem alten Viersen.10half Huys“ häufig statt. Vermehrung der Familien durch Hei-rath führte diese Theilungen meist herbei.Unter allen Urkunden werfen namentlich die Cessionsakten,in welchen abständig gewordene Eltern den herangewachsenenKindern ihr Eigenthum unter gewissen Vorbehalten abtreten, dasklarste Licht auf die Viersener Lebensweise. Ich theile deshalbeinige dieser Vorbehalte mit. Der erste Vorbehalt einer solchenCession oder „Maegscheidinghe“ bestand in einer „droeghen, be-quämen ende daeckdichten Caemer met vryen Vuyt en Inganck.War die Familie vermögend, so mußten die Kinder ihren Eltern„Vuyr ende Licht op de Stoeve en op den Heerdt“ geben, sonstaber ihnen erlauben, „by Winterstydt op de warme Stoeve temoeghen commen, sitten en doen.“ Entweder kochten und verpflegten sich abstehende Eltern selbst, dann behielt die Mutter sich vor„in het Voorhuys te koecken en stoecken, vorts in het selve Voorhuysvry heeckelen en sunsten doen haeren gewoonlycken Arbeydt“; auchwollte sie dann „Meester blyven van haer Spinnraedt en Stoeloder die Eltern wollten sich ruhige Tage verschaffen, dann mußtensich die Kinder verpflichten, sie „de Daeghen hunnes Levens eerlycken fasounelyck to onderhouden in Costen, Drencken aen hunnen ey-genen Disch, waschen en frynghen, langhen en reycken, opwaerdenen verplaeghen, wanneer sy des nodigh moeghen hebben.“ Ineiner Cession von 1747 übernehmen die Kinder noch die sonder-bare Verpflichtung, die Eltern „te luysen en pluysen, wanneer sydes noodigh moeghten hebben." Wollten die Eltern ihre letztenLebenstage noch thätig sein, so behielt sich die Mutter mehrereWuschen Flachs vor, die sie entweder zu ihrem eigenen Nutzenspann oder das Gesponnene gegen „een Drinckgelt of Speelpenningan die Kinder abtrat. Wenn die Eltern die Absicht hatten eigeneKüche zu führen, so mußten die Kinder die Lebensmittel liefern.So bedingt sich 1751 ein abstehender Vater aus: „dry MalderKooren, ein Malder Weydt of een half Malder Boeckweydt, hon-dert Pont Verckensfleesch van der Specksyden, 50 Pont Rindtfleesch,een half Kalf, 50 Pont Botter, tweehondert Eyer, het derde QuartBierenkrauth, den derden Appel, Beeren en Appelkrauth, als oockSalaet en Boonen naer ouders Welgeoallen, alle Daeghe een halKann versche Melck, wan de Koey Melck gift, van jeder Stott eeneKanne Bottermelck, fyf Quarten Olye, twee Ohmen goedt Byer entwee Ohmen dünn Byer, Rüben, Mooren, ses Steen Flasch, wanhet waßen doet, twee Schrancken Holt en 50 Schantzen.“ MinderBegüterte begnügten sich schon mit Weniger. Waren noch minder-jährige Knaben da, so behielten ihnen die Eltern gewöhnlich dasLehrgeld („tot Wevershandtwerck“) und völlige Verpflegung biszur Großjährigkeit, sowie den Unverheiratheten die Hochzeitsaussteuer vor.
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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
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