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Aus dem alten Viersen : ein Beitrag zur Culturgeschichte des Niederrheines ; nach den Quellen des Viersener Stadt-Archivs
Entstehung
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Aus dem alten Piersen.gewänder, die parfümirten Handschuhe und Schönheitspflästerchendes achtzehnten Jahrhunderts kannten die Viersener Hausfrauenselbst aus den für jene Zeit reichen Familien nicht. In ihremschwarztuchenen Sonntagsstaat, dem schwarzen Rock, dem eben-mäßig sich anschließenden Leibchen und der einfach garnirtenMütze fühlten sie sich zufriedener als die Bewohnerinnen derGroßstädte in ihrem bizarren Kleiderluxus, und das junge Volkmachte fröhlicher sein ländliches Tänzchen, als jene die zierlichsteifen Schnörkeleien des französischen Menuets. Auch brauch-ten die, welche über das Wohl der Gemeinde wachten oderdie Sorge für die Gesundheit des Körpers übernommen hatten,zur Hebung ihrer Würde nicht den mächtigen, goldbeknauftenRohrstock oder das Schütteln der bezipfelten Allongeperrücke. Siewaren Männer aus dem Volke, und wenn sie ihren Pflichten alsMagistratspersonen oder Heilkünstler Genüge geleistet, kehrten siezu den ihrem Volke eigenen Beschäftigungen zurück. Doch mußman deshalb nicht glauben, daß Viersen von der Außenwelt her-metisch abgeschlossen gewesen wäre. Durch seinen Handel kam esmit derselben vielfach in Berührung, und der Wißbegierde seinerBewohner halsen die hier mehrfach verbreiteten, kleinen quartförmigenWochenblätter der amtlichen Duisburger Anzeigen ab, die ent-schieden aufgeklärt redigirt waren und namentlich für Rousseau'scheIdeen große Sympathien zur Schau trugen.Wer sich für die Bauart der Viersener im vorigen Jahr-hundert interessirt, kann die bescheidenen Fachwandhäuser mit denluckenartigen Fenstern und den niedrigen Dächern noch in allenHonschaften finden. 1735 habe ich ausnahmsweise ein massives,dreistöckiges Haus erwähnt gefunden. Die preußischen Baugesetzeso die Ordonnanz vom 21. October 1731, welche verbot, ferner-hin die Häuser mit Stroh und Schauf zu decken, fanden in Viersenlangezeit harthörige Ohren, und ſelbſt auf den Schulgebäudenwich der Schauf den Pfannen erst nach geraumer Zeit. Auchdie Balkenconstruction über den Feuerheerden und längs denSchornsteinen bot ungeachtet ihrer Feuergefährlichkeit allen Gegen-verordnungen Trotz. Der Räumlichkeiten in den meisten altenWohnungen waren nicht viele. Der untere Raum war von derden Hausflur bildenden „Keucke“, der Küche und der „Stoevedem Wohn= und Webzimmer eingenommen. An den kleinenFenstern („Gläser“) hingen straßenwärts bunte Gardinen. Aufeiner „Ledder“ oder „Trappen“ gelangte man in das gewöhnlichschon unter dem Dache liegende Stockwerk. Dort befanden sichin der Regel ebenfalls zwei Räume, die allgemein „Caemer“ oderSchlafstube und „Bestevaeders ende Bestemoeders Caemer“, wohindie etwaigen Großeltern sich zurückgezogen hatten. In der Stoeve