100
Mensch diesen Weg kam, der lieber seine Schuhe alsseines Nachbars Gerstensaat schonte, so lief er schnellhinzu und pfändete ihn, oder thats mit ein PaarOhrfeigen kurz ab. Bey Nacht aber, wo man nocham ersten einen guten Weg braucht und sucht, warsnur desto schlimmer, und die Dornenáßte und Rispen,mit welchen er den Wandernden verständlich machenwollte, wo der Weg sey, waren allemal in wenigNächten niedergerissen oder ausgetreten, und Man-cher thats vielleicht mit Fleiß. Aber da kam demMann etwas anderes zu statten. Es wurde auf einmal unsicher auf dem Kirchhofe, über welchen derWey gieng. Bey trockenem Wetter und etwas helslen Nachten sab man oft ein langes weisses Gespenstüber die Gräber wandeln. Wenn es regnete odersehr finster war, hörte man im Beinhaus bald einängstliches Stöhnen und Winseln, bald ein Klap-pern, als wenn alle Todtenköpfe und Todtengebeinedarin lebendig werden wollten. Wer das hörte, sprangbebend wieder zur nächsten Kirchhofthure hinaus, undin kurzer Zeit sah man, sobald der Abend dämmerte und die letzte Schwalbe aus der Luft verschwunden war, gewiß keinen Menschen mehr auf demKirchhofwege, bis ein verständiger und herzhaf=ter Mann aus einem benachbarten Dorfe sich andiefem Ort verspätete, und den nächsten Weg nachHaus doch über diesen verschrieenen Plak und überden Gerstenacker nahm. Denn ob ihm gleich seineFreunde die Gefahr vorstellten und lange abwehrten,so sagte er doch am Ende: Wenn es ein Geist ist,geb ich mit Gott als ein ehrlicher Mann den nächstenWeg zu meiner Frau und zu meinen Kindern heim,