62
uten kann, ist überall daheim, liebt in den heisestenund kältesten Gegenden sein Vaterland und die Heismath, in der er geboren ist, und wenn ihr einenWilden, wie man sie nennt, in eine mildere undschönere Gegend bringt, so mag er dort nicht lebenund nicht glüklich seyn. So ist der Mensch. SeineNatur richtet sich allmählig und immer mehr nach derGegend, in welcher er lebt, und er weiß wiederdurch seine Vernunft seinen Aufenthalt einzurichten,und so bequem und angenehm zu machen, als es mög-lich ist. Das muß der Schöpfer gemeynt haben,als er über das menschliche Geschlecht seinen Segenaussprach.„ Seyd fruchtbar und mehret euch, underfüllet( oder bevölkert) die Erde, und machet sieeuch unterthan."
Ich will jest einige Beispiele anführen, was fürhohe Kälte und Hiße die Menschen aushalten können.
Zu Jenifeiss in Siberien trat einst im Jenner1735 eine solche Kälte ein, daß die Sperlinge undandere Vögel todt aus der Luft herabfielen, und alles,was in der Luft gefrieren konnte, wurde zu Eis,und doch leben Menschen dort.
Zu Krasnaiarsk ebenfalls in Siberien, wurde imJahr 1772 den 7 December die Kälte so heftig, daßeine Schaale voll Qucksilber, welches man in diefreye Luft setzte, in ein festes Metall zusammengefror.Man konnte es wie Bley biegen und hammern, unddoch hielten es Menschen aus.
Eine ähnliche Kälte erlitten einst die Engländerin Nord Amerika an der Hudsonsbay. Da fror ih-nen selbst in den geheizten Stuben der Branteweinin Eis zusammen. Sie konnten ihn nicht flüßig erhal