Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
895
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FS. Nr. 2493. 895

rührung des V. Stoss mit P. Vischer kann ich aber nicht in Abredestellen, geseszt auch, dass noch kein positiver Beweis dafür gefundenist. Herr Döbner macht indessen auf die Nachricht bei Neudörffer,dem Zeitgenossen des P. Vischer, aufmerksam, welcher behauptet, dassman die grössten Gusswerke desselben in Polen finde. Wer konnte nundiese Arbeiten eher vermitteln, als V. Stoss, und wem konnten dieModelle eher übertragen worden seyn, als diesem in Polen so berühmtenMeister ? Wir wollen dem Peter Vischer den Ruhm nicht schmälern,räumen ihm als Giesser im Gegentheil die erste Stelle in seiner Zeitein. Nur können wir nicht glauben, dass er immer auch die Zeichnungund das Modell oder wenigstens das letztere geliefert habe. Die In-schrift auf den Werken: Gemacht von l'eler Vischer oder Fischer, OpusM. l'etri Fischer u s. w. beweiset nicht zur Evidenz, dass zugleich auchdas Modell von ihm gefertiget sei. Er gibt sich nur als Verfertigerdes gegossenen Werkes kund, und dagegen konnte der Künstler, welcherdie Zeichnung oder das Modell gefertiget hatte, nichts einwenden, dader Guss von Vischer ist. Herr Döbner sucht aber in der Bezeichnungder Werke namentlich den Beweis, dass er der selbstständige Schöpferseiner Werke sei. Er beruft sich dabei zunächst auf Dr. Kugler,welcher im deutschen Kunstblatte 1851 No. 41 derselben Ansicht ist,anderseits aber auch zugesteht, dass Vischer fremde Modelle benützthaben könnte. Mit den Zeichnungen ist es eine andere Sache, beson-ders mit Portraiten. Diese konnten auch an den vorzüglichsten Bild-hauer eingesandt werden.

Schliesslich bemerken wir nur noch, dass eine frühere Vermuthung,V. Stoss habe auch Modelle zu den um das Grabmal des Kaisers Ma-ximilian zu Innsbruck aufgestellten colossalen Erzstatuen geliefert, inNichts zerfalle. Eine kurze Geschichte jenes Monumentes und der da-bei betheiligten Künstler haben wir unter dem Monogramme A I' imersten Bande No. 1107 gegeben. Herr Döbner führt in der angezo-genen Nummer des deutschen Kunstblattes darauf ebenfalls die Sprache,diesmal zu Gunsten Heidcloff's; man vergleiche aber den ArtikelNo. 1107, und es wird sich zeigen, ob ich mich allein geirrt habe.Die Geschichte des Maximilian'schen Denkmals in Innsbruck hat eineganz neue, nach Urkunden bearbeitete Auflage erlebt, und sie liefertneuerdings den Beweis, dass der eigentliche Künstler, der Bildhaueroder Modellirer nur zu oft in Vergessenheit kam , während der Namedes Erzgiessers in den Annalen der Geschichte glänzt. Niemand dachtein Innsbruck an den schlichten Augsburger Meister Muschgat; Godl,Löffler und Lendenstrauch sind aber nicht allein in Innsbruck, sondernauch in ganz Deutschland genannt. Es würde mich indessen sehrfreuen, wenn auch ein historisches Document zu Tage käme, in welchemdem Peter Vischer die Zeichnung und das Modell zum St. Sebaldus-grabc entschieden zugesprochen wäre. Bis dahin möge man mir abererlauben, wenigstens einen Zweifel zu hegen, da Zeit und Umstündefür ihn nicht recht sprechen wollen. Den grossartigen Erzguss kannihm ja Niemand rauben, und dieser sichert ihm allein den Ruhm fürdie Dauer der Zeit.

V. Stoss scheint in Nürnberg als Mensch in geringer Achtung ge-standen zu seyn, da er 1503 als Urkundenfälschcr durch die Backengebrannt wurde. Er hatte für damalige Zeit ein grosses Vermögen er-worben, und somit muss seine Kunst lohnend gewesen seyn. Nach dergewöhnlichen Angabc starb er 1533 oder 1542 erblindet im Hospitalezu Schwabnch in einem Alter von 95 Jahren. In Crakau hatte ereinen Bruder, Namens Mathias, welcher ihn in Krankheitsfällen ver-treten musste. Ob Mathias Stoss Künstler war, ist nicht angegeben.