896 FS. Nr. 2493.
Seine Söhne Mateusz, Albert und Martin Stoss waren in Crakau an-sässig. Veit und Philipp Stoss, die jüngsten Söhne, kamen mit demVater nach Nürnberg, und wurden später als Beamte in den Adels-stand erhoben. Der älteste Sohn, Stanislaus Stoss, welcher in Crakauals Hildschnitzer Ruf hatte, wurde gegen 1527 vom Vater nach Nürn-berg berufen , starb aber vor demselben gegen 1530. Veit Stoss standnun allein , und suchte daher als blinder Mann um Aufnahme im Spi-tale zu Schwabach nach. Es ist aber nicht anzunehmen, dass er ver-mögenslos war. Aus den im städtischen Archive zu Crakau aufbe-wahrten Verlassenschaftsakteu geht sogar hervor, dass er beträchtlicheLegate gemacht hatte. Herr Ambros Grabowski theilto uns Auszügemit, und darunter den Wortlaut eines lateinischen Docnmentes A. J).i53b feria VI. die S. Dionisü, aus welchem hervorgeht, dass die Fraueines Plattners, Namens Johannes, aus der Hinterlassenschaft des VeitStoss und seines Sohnes Stanislaus 240 Gulden erhalten hatte. Dagegenfielen der Tochter des Stenzel Stoss, der Gattin eines Schuhmachersin Crakau, 600 Gulden zu. Darüber entstand von Seite der anderenParthei ein Streit, welcher 1535 durch eine Ausgleichung der Erb-summen geschlichtet wurde. In dem erwähnten Aktenstücke heisst es,dass Anna, die Gattin des Plattners, ihren Antbeil de bonis olim VitiStoz erhalten habe. V. Stoss war also 1534 bereits todt, und somitwäre es wohl möglich, dass er 1533 in Schwabach gestorben sei. Beieinem Alter von 95 Jahren wurde er also 1438 oder 1439 geboren. InCrakau ist noch ein Bildniss dieses Künstlers vorhanden. Er ist ineinem Koller mit Buffen über der Achsel vorgestellt. Die Haare sindüber der Stirne kurz geschnitten, fallen aber an der Seite bis zurMitte des Ohres herab. Der Vollbart ist gekräuselt und gctheilt. DerKünstler bat sich sorgfältig herausgeputzt, und zeigt ein kluges Gesicht.A Grabowski Hess dieses Bildniss für dessen Dawne zabytki miastaKrakowa etc. Krakow 11150, lithographiren. Oben links ist das Fac-simile des Namens, rechts das Handzeichen beigefügt. Unten steht:Wit Stoss Krakowianin Snycerz wieku XV.
Veit Stoss als Kupferstecher.
Sandrart sagt in seiner deutschen Akademie, dass V. Stoss nichtallein Bildhauer, sondern auch Zeichner, Maler und Kupferstecher ge-wesen sei. Die Kupferstiche mit dem gegebenen Zeichen wurden aberfrüher einem unbekannten Stolzhirs, Stolzen oder Stolzius zugeschrieben.Christ nennt den Meister Franz Stoss, Bartsch P. gr. VI. p. 66, erkenntaber weder den einen noch den anderen dieser muthmasslichen Stecher,und ihre Namen sind auch wirklich aus der Phantasie geschöpft. Christnennt wenigstens den Zunamen richtig, auf den Taufnamen Franz kamer aber wahrscheinlich in Folge mutbniasslicher Deutung des Buch-staben F, wenn er nicht auf Marolles Rücksicht nahm, welcher eben-falls einen Franz Stoss oder Stolzhirs kennen wollte. Man weiss aberjetzt urkundlich, dass Stoss nicht allein Vit, Wit, sondern auch Eit,Fit und Fyt geschrieben habe. Die Handmarke spricht ebenfalls fürihn. Die Zeit der Entstehung dieser Blätter ist nicht genau zu be-stimmen, man kann aber annehmen, dass V. Stoss vor seiner Ankunftin Nürnberg Zeichnungen durch den Grabstichel vervielfältiget habe.In Nürnberg hatte er au A. Dürer einen gefährlichen Concurrenten,welcher ihn in Führung des Grabstichels weit übertraf. Heinecke undStrutt legen diesen Blättern ein zu hohes Alterthum bei, indem sie denihnen unbekannten Monogrammisten fS zum Lehrer des Martin Schönmachen, welcher aber schon 1441 ausübender Künstler war, in einerZeit, als Veit Stoss noch im zarten Knabenalter stand, oder vielleicht