Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
839
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FP. Nr. 2324. 839

die correkte Durchbildung nicht, was sich besonders in der Proportionund in den Extremitäten bemerklich macht. Facini ist ein schwacherZeichner, und in der Anatomie wonig erfahren.

Bartsch, P. gr. XVIII. p. 272, schreibt ihm drei radirte Blätterzu, es steht aber auf denselben weder der Name , noch eines der ge-gebenen Zeichen. Sicher scheint aber nur das erste zu seyn, nämlichder hl. Franz von Assisi mit dem Jesuskinde in den Armen, welchesder links auf Wolken von Engeln getragenen heiligen Jungfrau dasHändchen reicht. Das dem P. Facini zugeschriebene Gemälde ist inder Capuziner Kirche zu Bologna, und stimmt mit einem Hilde denKünstlers, welches aus der Franziskaner-Kirche in die Pinakothek da-selbst kam. Es stellt die Madonna mit dem Kinde, die Schutzheiligender Stadt und vier Engelchen vor. In der Färbung erinnert es nichtan die Schule der Carracci, sondern an die venezianische Schule , undbesonders an Barocci. Auch die Radirung mit dem Wunder des heil.Franciscus ist in der Manier des Barocci sehr geistreich behandelt.Keines der erwähnten Gemälde ist mit dem Namen bezeichnet, unddaher gelten sie wohl nur traditionell für Werke des P. Facini. Mal-vasia wusstc indessen nichts von diesem Künstler. Er hält das Blattmit dem hl. Franz für Arbeit eines Anonymus nach Annibale Carracci.Man findet auch wirklich eine alte Radirung desselben Inhalts, aufwelcher rechts unten auf dem Boden von rechts nach links : A Car feRomae steht. Um für P. Facini einen Ausweg zu finden, müsste manannehmen , dass er das Bild mit der Erscheinung des hl. Franz nachder Zeichnung des Annibale Carracci gemalt habe , oder es ist wederdas Gemälde , noch die Radirung von ihm. Die beiden übrigen vonBartsch beschriebenen Blätter, der singende Bettler auf der Strasse,und der von seinem Hunde geführte Bettler, stimmen nicht ganz mitder erwähnten Radirung, obwohl sie ebenfalls sehr geistreich behandeltsind. Ein drittes Blatt mit Bettlern, welches Bartsch mit einigen an-deren nicht kennt, ist mit dem Monogramme bezeichnet, worunter wiraber den P. Facini um so weniger vermuthen möchten, als das mitgrosser Wahrscheinlichkeit ihm zugeschriebene lilatt mit St. Franziskusmit den übrigen Blättern nicht vollkommen stimmt. Frenzel, CatalogSternberg I. No. 5124, zweifelt das Monogramm für P. Facini ebenfallsan, und will die schöne Radirung mit dem Affen , für welchen dieKatze die Maronen aus dem Feuer holen soll , einem Holländer zu-schreiben. Diese subtille Unterscheidung hat aber wenig Gewicht, undwir können getrost den italienischen Ursprung annehmen. Der Radirer,welcher sicher auch Maler war, gehört unläugbar der Schule der Car-racci an, denn auch auf einer glcichgrosson Copie oder Wiederholungder Vorstellung mit der Katze steht der Name des Annibale Carnicci.Der Künstler hielt sich vielleicht in späterer. Zeit zu Rom auf, dennauf dem Blatte mit den vier Bettlern stehen die Buchstaben PSF.,d. h. Pietro Slefanoni h'ormis. Stefanoni betrieb um 1025—1650 in Romeine Kunsthandlung, und erwarb mehrere Platten der Carracci undihrer Schüler zum Wiederabdruck. Würde er jene unsers Meisters un-mittelbar erhalten haben, so könnte von P. Facini keine Rede seyn,da dieser Künstler 1602 starb. Folgende Blätter gehören unserm Mono-grammisten an, und sind alle zu den Seltenheiten zu zählen.

1) [B. 2] Ein auf der Strasse stehender blinder Bettler mit demHunde zu seinen Füssen. Im Rande ist der Text eines bergamaskischenLiedes: Andei um a lauorä fieui de porche elc. H. 9 Z. 8 L. Br. 6 Z. 3 L.

2) [B. 3] Der blinde Bettler von seinem Hunde geführt, im Grunderechts zwei junge Leute. H. 7 Z. Br. 5 Z. 5 L.

Diese beiden sehr seltenen Blätter sind ohne Zeichen.