560 E. Nr. 1477.
unter dein Thronhimmel in einer gothischen Capelle auf dem Altarezwischen einem Engel und dem hl. Meinrad. Am Fusse des Altareskniet links eine Frau und rechts ein Mann , beide in l'ilgorklcidung.Auf der Gallerie der Capelle erscheinen die drei göttlichen Personenmit vielen Engeln, und der Sohn taucht den Weihwcdel in das Wasser-gefäss, welches ein Engel hält. Links oben am Bogen der Kapelle istdie Jahrzahl f466, und rechts der Buchstabe E, wie oben in zweiterReihe gegeben. Ueber dem Bogen steht in kleiner gothischer Schrift:Öief o iet o tiie o enaelroi(f)i o ju o unfrr o lieben o frounieii o p o beno einfüllen o aue o oraciii o ^lenna o Au den Seitenpfeilern, welche denBogen mit der Gallerie tragen, sind Steinmetzzeichen. H. 7 Z. 10 L.Br. 4 Z. 8 L.
Dieses äusserst seltene und kostbare Blatt, welches schon 1821bei der Auktion der Snmmlung des Mr. E. Durand mit 1200 Frs. be-zahlt wurde, erscheint beim Vergleiche mit der betenden MadonnaNo. 1 als ein Meisterwerk damaliger Zeit, und es ist daher nur einePhrase, wenn man sagt, dieselbe und noch andere analoge Blätter ge-hören in die frühere Periode des Meisters, also in eine Zeit, in welcherdieser noch nicht auf der Höhe seiner Kunst angekommen wäre. Dadie betende Madonna mit der Jahrzahl /46'7 bezeichnet, die Engcl-weihe im Jahre vorher entstanden ist, so müsste man eher einen Rück-schritt annehmen, wogegen aber andere Blätter mit dem Datum 4467sprechen, welche theils eben so trefflich gestochen sind, als jenes derEngelweihc. Das Räthsel erklärt sich nach unserer Ansicht aus derZeichnungsvorlage. Jene zur Madonna No. 1 war breiter behandelt,mit stärkeren Schattenangaben vielleicht durch Tusch; die Zeichnungzur heil. Maria von Einsiedel mit feinem Stifte ausgeführt, und vor-züglich auf den genauen Umriss berechnet, ohne eine strenge Model-lirnng in den Gewändern und nackten Theilen , oder eine malerischeWirkung erzielen zu wollen. Die betende Madonna ist zierlich ge-rundet, die Engelwoihe aber im Ganzen flach gehalten, da die feinenStrichelungen in den Gewändern und Köpfen nicht in strengen Schatten-massen hervortreten. Nur der Grund der Capelle oder Altarnische istschraflirt, so dass das Bildwerk sich im Lichte ablös't. Der Stecherhat augenscheinlich eine Stiftzeichnung nachgeahmt, und zwar jeneeines Künstlers, welcher seiner Zeit vorgocilt ist. Diess kann aber derMeister E. S. nicht seyn, da Seine Blätter in der Zeiehuung ungleicherscheinen. Hat er die Zeichnung zur betenden Madonna, und zu an-deren Blättern mit Darstellungen in der Weise der oberdeutschenSchule gemacht, dann hat er die Engelweihc von Maria Einsiedel nichtgezeichnet. Wenn wir nicht zwei Meister E. und E. S. annehmendürfen, so ist man nach unserer Ueberzougung doch gezwungen, nichtjede im Stiche vorhandene Compositum der einen und derselben Handzuzuschreiben. Frenzel, 1. c. S. 81, schreibt zwar alles dem MeisterE. S. zu, man sieht aber den Zwang heraus, welchen ihm seine Cha-rakteristik anlegte. Er wollte aber einmal eine übermässige Zahl vontheils unter sich ungleichen Kunstprodukten dem Meister E. S. auf-laden , als wenn gerade er der einzige Stecher und Zeichner der Pe-riode um 1466 gewesen wäre. Mehrere Kenner und Kunstfreunde, unddarunter erfahrne, unterscheiden sehr wohl die Blätter unsers Meistersvon jenen seiner Schule oder Richtung. Als Massstab können nurjene Stiche dienen, welche durch die Initialen E. und E. 8. auf ihnverweisen, gesetzt auch, dass selbst diese Blätter in technischer Hin-sicht zuweilen Verschiedenheiten zeigen. Mit der Engelweihe stimmennicht viele Blätter, entschieden die Anbetung der Königin B. 14, in