Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
559
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E. Nr. 1477. 559

was auf dem Originale nicht der Fall ist. Die vorhandenen Exemplaresind leicht gezählt. Uns lag jenes im k. Kupferstich - Cabinet zuMünchen vor, und daraus ist zu ersehen, dass die 'Zeichnung sichereinem oberdeutschen Meister angehöre, welcher der Richtung der Schuledes J. van Eyck keinen grossen Einfluss gestattete. Im Vergleich mitanderen Blättern ist der Stich alterthümlich , und unterscheidet sichwenig von anderen Incunabeln der deutschen Schule. Die Strichelungensind gebrochen, und nicht so fein, als in anderen mit E. und E. S.bezeichneten Blättern. Die Lagen sind in den Schattentheilcn eng ge-halten , und gehen daher in's Schwarze. Frcnzel setzt dieses Blatt indie frühere Periode des Meisters, welche demnach gegen 1467 beginnenmüsste. In diesem Falle hätte aber der Meister E. und B. S. einenin gleicher Weise zeichnenden Gegenfüssler, da Blätter mit den Jahr-zahlen 1466 und /4C7 vorkommen , welche in einer ganz anderenWeise, und viel besser gestochen sind. Und es ist auch schwer, dieseVermuthung zurückzuweisen, selbst in dem Falle, dass man dem Stecherverschiedene, mehr oder weniger vollkommene Zeichnungen unterbreitenwürde. Seine Vorlagen waren auch sicher nicht von der einen undderselben Hand. Die betende Madonna hat nicht derselbe Künstlergezeichnet, welcher die Engclweihe in Maria Finsiedel im Bilde vor-führte. Auch der ebenfalls mit E. bezeichnete Stich derselben istjenem der betenden Maria weit vorzuziehen , obgleich das Blatt dieJahrzahl 1460 trägt. Der Stecher E. hat daher 1467 nicht begonnen,und er kann seinen Styl nach Jahresfrist nicht in der Art geänderthaben , dass die in gleicher Weise bezeichnete betende Madonna ohneden Initial E. und iMil dem Stecher der Engelweihe nur in demFalle zugeschrieben würde , wenn man mit Frenzel eine übermässigeAnzahl von Blättern des berühmten Meisters E. S. aufhäufen wollte.Und dennoch wagen wir es nicht, zwei in gleicher Weise zeichnendeKupferstecher bestimmt anzunehmen. Man kann aber auch nicht ver-muthen , dass unter den Initialen E. und E. S. allenfalls der Maleroder Zeichner , und nicht der Stecher angedeutet sei, indem die mitdiesen Buchstaben signirten Blätter in Composition und Zeichnungziemlich ungleich sind, wenigstens nur in geringer Anzahl auf die eineund dieselbe zeichnende Hand schliessen lassen. Diese Ansicht ge-wannen wir bei dem Vergleich der vielen Blätter, welche im k. Cabinetzu München für solche des Meisters E. S. gelten, und bis auf wenigevon Bartsch diesem Künstler zugeschrieben werden. Es bleibt immernur ein Kupferstecher, der, wenn auch selbst ein guter Zeichner, dochauch fremde Vorlagen benutzt hat. Geübt in Führung des Stichelsund der Schneidnadel, gelang ihm doch nicht jedes Blatt in gleichemGrndc , oder vielmehr das eine hält den Vergleich mit dem anderennicht aus. Für sich betrachtet, ist die betende Madonna immerhin gutgestochen, wenn auch weniger zart, wenn auch roher, als das Blattder Engelweihe von 1466, welches überhaupt in Zeichnung und tech-nischer Behandlung eine ganz andere Hand venäth. Mit dem ersterenBlatte stimmt jenes mit der Büste des Heilandes , welches wir unterE- S. beschreiben. Dieselbe kräftigere Manier, aber meisterlicherdurchgebildet, herrscht auch in dem Blatte mit dem Schwcisstuche,B- No. 86, in jenem des Pfingstfcstes, B. No. 27, und so ziemlich inder Folge der Apostel, B. No. 50—62. In diesen genannten Blätternglauben wir den Meister E. S. auch der Zeichnung nach zu erkennen.Uebrigens lagen uns nicht alle Blätter vor, welche diesem Meisterjetzt zugeschrieben werden.

2) [B. No. 35] Das Marienbild in der Abteikirche zu Einsiedel,oder die Engclweihe derselben. Die hl. Jungfrau sitzt mit dem Kinde