558 E. Nr. 1477.
da derjenige, welcher seinen Initialen die Jahrzahl beifügte, bei Hin-wcglassung des Datums das Schriftzeichen nicht geändert haben dürfte.Man kann offenbar auf zweierlei Handschriften schliessen, was beidem einen und demselben Schreiber im 15. Jahrhundert nicht leichtanzunehmen ist. Man möchte daher glauben, dass sich in die Buch-staben E und E. 8. zwei Künstler theilen müssen , etwa Vater undSohn. Der Meister von 1466 ist dann das Haupt der Schule, undseinen Zöglingen und Nachahmern fällt ein guter Theil der Blätter zu,welche wegen ihrer Analogie dem Meister von 1466 zugeschriebenwerden. Die Zahl der mehr oder weniger gleichartigen Stiche ausjener Zeit ist zu gross , als dass sie von derselben Hand in einemZeiträume von 30 bis 40 Jahren gefertigt seyn könnten , währenddie Thätigkeit des Meisters E. S. nur auf die Zeit von 1466—1467weist. Wir glauben übrigens, dass auch noch mehrere undatirteBlätter von ihm herrühren , und dass er nur in seltenen Fällendie Initialen beigefügt habe. Durch eine solche Ausscheidung ver-lieren aber die interessanten und höchst seltenen Blätter, welchejetzt in TJeberzahl dem Meister E. S. zugeschrieben werden , nicht anihrem Wcrtho, und die Besitzer werden sich nicht im geringsten be-einträchtigt fühlen. Jeder wird aber bei Betrachtung der Blätter seinerSammlung einsehen, dass in der Zeichnung und in der Stichweise einmerklicher Unterschied sei. Mehrere sind sehr schön, und mit grosserSicherheit gestochen. Die feinen Strichelungen ahmen öfters Stift-zeiclmungen nach, und das gefällige, nicht selten correkte Bild könnteman ohne Zeichen und Datum in eine viel spätere Zeit setzen. AndereBlätter sind dagegen hart und von schlechtem Geschmacko , was abernichts weniger, als auf eine frühere Periode deutet. Es gebricht nuram künstlerischen Vermögen , da nicht jeder Schüler und Nachahmerdes Meisters mit gleicher Freiheit sich bewegen konnte. Wir wollennämlich entschieden annehmen, dass der Anonymus E. oder E.H. dasHaupt der Schule sei, da ihm einmal diese Rolle zugewiesen wird.
Die Zahl der Blätter mit der gegebenen Bezeichnung ist gering,und sie stimmen weder in der Conccption, noch in der Behandlungvollkommen übercin. Es spricht sich darin , wie fast in allen Stichendieser Art, der Charakter der oberdeutschen Schule aus, nicht jenerder cölnischen, niederdeutschen, oder gar der burgundischen, wie manauch glauben machen wollte. Ueber dieses Capitel werden wir aberunter den Initialen E S handeln. Die Initialen mit den Jahrzahlenhaben wir nach den betreffenden Originalblättern gezeichnet. Dasdritte und das fünfte gibt Bartsch, das vierte fügt unvollkommen Brul-liot hei. Blätter mit diesen drei Initialen sind in der reichen Samm-lung des k. Cabinets in München nicht vorhanden.
1) Die betende Maria, in halber Figur etwas nach links gerichtet.Sie faltet die Hände, und senkt den Blick nach dem vor ihr auf einerBrüstung auf dem Kissen liegenden offenen Buche. Von ihrem Hauptefällt ein langer Schleier herab, oder es ist vielmehr das Uebergewandüber den Kopf gelegt. Den Grund bildet ein Fenster mit drei imHalbkreise geschlossenen Bogen , und oben rechts und links ist einleeres Wappenschild. Links vom Kopfe steht das erste E, und rechtsdie Jahrzahl tlßi , wie oben gegeben. Höhe der Platte 5 Z. 6 L.Br. 4 Z. <Vi L -
Dieses Blatt hatte Bartsch nicht gesehen , und daher zählt er esim Anhange nach Heinccke (Neue Nachrichten S. 395) Seite 48 auf.Frenzel 1. c. S. 29 No. 21 geht ebenfalls darauf ein, aber ohne Augen-schein genommen zu haben, da er die Zahl 4 in arabischer Form gibt,