DC. Nr. 1004. 395
Plafond, und einige andere Bilder im Schlafzimmer. Der Berichtgeberbemerkt, dass der Maler Scenen nach Kupferstichen nach Kafael ge-malt habe, und es handelt sich daher nicht um den gleichnamigenMitbewerber Tizian's, welcher kaum fremde Compositionen gewählthätte. Der ältere D. Campagnola stach auch nach Zeichnungen andererMeister in Kupfer, und die Blätter dieser Art gehören gerade zu dengeistreichsten und meisterlichsten, da sie öfters auch sehr correkt sind.Andere Stiche sind dagegen manierirt in der Zeichnung, und roh inder Behandlung, wie z. B. B. No. 3, 4, 6 u. 9. Man kann sie sicherals eigene Compositionen des Meisters betrachten , und sie beweisenentschieden, dass der Tizianist dieses Namens ein anderer Meisterseyn müsse, als der Kupferstecher von 1517. Zu den trefflichstenStichen desselben gehört ein Bartsch unbekanntes Blatt mit einemKindertanze von der lebendigsten Anmuth, mit dem Namen und derJahrzahl 1517. Von sehr schöner Zeichnung in der Art des Giorgione,und wohl nach diesem, ist auch der junge Schäfer und der alte Krieger,mit dem abgekürzten Namen und der Jahrzahl 1517, B No. 8. Dieseauffallende Verschiedenheit der Blätter Campagnola's lässt sich nurdurch die Annahme erklären, dass er sowohl nach fremden, als nacheigenen Zeichnungen gestochen habe. Somit nahm er wahrscheinlichim Hause Cornaro Kupferstiche nach Uafael zum Vorbilde, welche alsNovitäten auch dem Hausherrn gefallen konnten. Eine Hinneigungzu Tizian ist in keinem der Kupferstiche des älteren Campagnola er-sichtlich. Anders verhält es sich mit einem Theile der Holzschnitte,welche dem alten 1). Campagnola, dem Stecher von 1517, zugeschriebenwerden. Einige Blätter, besonders die Landschaften mit historischerStaffage, erinnern wirklich mehr an Tizian, als an einen andern altenMeister der Schule des Gian Bellini, welcher der Kupferstecher I). Cam-pagnola angehört. Tizian'sche Compositionen sind von letzterem sichernicht in Holz geschnitten worden, und wenn je die Zeichnung voneinem Domenico Campagnola herrührt, so ist es der jüngere Künstlerdieses Namens. Etliche Blätter werden aber von dem älteren Meister,dem Kupferstecher, herrühren, wenn die Zeichnung den CharakterTizian's nicht verräth. Sie sind auch mit dem Namen, oder der Ab-breviatur und der Jahrzahl 1517 bezeichnet, was aber gerade nichtder vollste Beweis der Aechtheit der Holzschnitte ist, da der NameCampagnola erst später eingeschnitten seyn könnte. Diess dürfte ■/.. Li.mit der Landschaft der Fall seyn, in welcher St. Hioronymus vor seinerHöhle den Kampf eines Löwen mit einem anderen wilden Thiere be-obachtet, im ersten Drucke steht unten rechts: DOMINICVS, BartschXIII. p. 385 gibt aber an, out sich an diesen Namen auch noch dieAbkürzung CAMPAG. füge. Ucbrigens wäre es auch möglich , dassdasselbe Bild zweimal geschnitten wurde, in keinem Falle ist aber dasBlatt von der Hand des Kupferstechers D. Campagnola, da die Zeich-nung dem Tizian zugeschrieben wird. Es müsste sich um den jüngerenCampagnola handeln, von welchem auch die Composition herrührenkönnte. Der Schnitt deutet nach Weigel, Kunstkatalog No. 14,612,auf Domenico dallc Grecho, wie wir unter dem Initial I) No. 877 an-gezeigt haben. Hinsichtlich der Holzschnitte scheint dieser Meister,welcher ebenfalls „Dominions" zeichnen konnte , mit Domenico Cam-pagnola sen. in Widerstreit zu kommen. Der eine oder der andereFormschnitt, welcher dem D. Campagnola zugeschrieben wird, dürftevon I). dallc Greche, dem Xylographen der Tizian'schen Schule her-rühren. In diese Categorie scheinen auch etliche unbezeichnete Blätterzu gehören , welchen augenscheinlich eine Zeichnung von Tizian zuGrunde liegt. Es ist aber auch der jüngere Dom. Campagnola als