Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
349
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D. Nr. 901. 349

Künstlers beseitigt, so wie auch die Orthographie des Namens nachder eigenhändigen Unterschrift am bessten hergestellt wird. Nach dergewöhnlichen Angabe soll Dienecker in Nördlingen oder in Augsburggeboren worden seyn, er selbst nennt aber Antdorff. d. h. Antwerpenals seine Geburtsstadt. Nach Augsburg kam er auf Veranlassung desDr. Conrad Feutinger, welcher an der Spitze der Kunst-Unternehmungendes Kaisers stand. Zu diesem Zwecke bedurfte er Maler und Form-schneider. Unter ersteren sind Hans Burgkmair und Hans Schäuffelinzu nennen, welche beide als junge Männer ihre Kräfte versuchten.Herberger gibt 1. c. S. 28 Note 88 den Auszug einer Rechnung von1510, nach welcher dem Maler Burgkmair, einem Schreiner und zweiennicht genannten Formschneidern für 92 Bilder u. A. die Summe von113 fl. 24 kr. ausbezahlt wurde. Die fraglichen Bilder waren theilsfür das „Geschlecht des Kaisers" oder die Genealogien, theils für denTcwrdank bestimmt. Schäuffelin lieferte für diese Werke fast zu gleicherZeit, anscheinlich vor 1512, ebenfalls viele Zeichnungen, und besonderszur Illustration des Weisskunig. Die Platten zu den Bildern wurdenin Augsburg geschnitten, theils von Deutschen, theils von Nieder-ländern, welche Peutinger dahin berief, und an deren Spitze als leiten-der Meister Jos Dienecker stand. Aus dem von Herberger gegebenenSchreiben des Künstlers an den Kaiser geht hervor, dass er seine Ge-hülfen leitete und lehrte. Er bereitete ihnen die Arbeit vor, undvollendete sie zuletzt mit eigener Hand, um den Schnitt rein undgleich zu machen. Auf diese Weise erbot sich Dienecker, mit zweiguten Gehülfen monatlich sechs bis sieben gute Stücke zu liefern.Peutinger nahm aber in der Folge gegen zwölf Formschneider für denKaiser in seinen Dienst, und nennt unter diesen den Meister Cornelius,welcher wahrscheinlich mit Cornelius Liefrink Eine Person ist. Heller(Geschichte der Holzschneidekunst S. 99) nimmt diesen Meister nachden noch in Wien vorhandenen Platten der österreichischen Heiligenals sicher an, und nennt als Gehülfen noch den Hans Frank, AlexisLindt, Wolfgang Rcsch, Hans und Wilhelm Taberith und NicolausSeemann. Peutinger spricht in einer Eingabe an den Kaiser von 1512nur im Allgemeinen von Reissern und Schneidern, welchen er für diePlatten zur Genealogie über 100 fl. Rhu. ausbezahlt hatte, wie wir beiHerberger 1. c. S. 27 Note 85 ersehen. Dienecker arbeitete wohl auchan den Platten zu dem grossen Triumphwagen des Kaisers nach Zeich-nungen des H. Burgkmair. Sein Name steht auf der Rückseite einerder auf der k. k. Bibliothek in Wien aufbewahrten Platten, aber nichtim Bilde. Ob indessen der aufgeschriebene Name einen urkundlichenBeweis liefere, bleibt dahingestellt. Herberger fand kein Documentvor, aus welchem Dienecker's Thcilnahmc entschieden hervorgeht.Peutinger spricht in seinen Briefen nur im Allgemeinen von „Triumph-figuren" , worunter auch solche der Ehren- oder Triumphpforte desKaisers verstanden werden könnten. Die Bilder zu diesem Werke hatgrösstentheils A. Dürer gezeichnet, und nach Peutinger sind die meistenZeichnungen desselben durch Stabius nach Augsburg gebracht worden,um sie in Holz schneiden zu lassen. Somit kann man Dienecker'sAnthcil jnit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen. Peutinger beschäf-tigte in Augsburg noch 1516 wenigstens zehn Formschneider für denKaiser, während nach seiner brieflichen Bemerkung bei Herbergor1. c. S. 30 Note 93 Stabius in Nürnberg nur einen einzigen, wohlausgezeichneten, hatte. Dienecker behauptete damals noch seine alteStelle, indem er fortwährend für den Tewrdank arbeitete. Der Druckdieses Werkes dauerte volle fünf Jahre , da schon 1512 Platten ge-schnitten wurden, und dasselbe erst 1517 zu Nürnberg bei Hans Schön-