Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
350
Einzelbild herunterladen
 

350 D. Nr. 901.

sperger erschien. Dieser berühmte Buchdrucker lebte aber bis in dieletzte Zeit zu Augsburg, und es konnten daher in Nürnberg nurwenige Bogen gedruckt worden seyn. Er war vielfach in Streitigkeitenverwickelt, so dass selbst der Kaiser beim Rathe zu seinen GunstenFürsprache einlegte, besonders im Jahre 1509. Dieses Verhältnissdauerte aber fort, da Schonsperger auch mit den Künstlern, welchedie Holzschnitte zu den Druckwerken zu besorgen hatten, in keinemguten Einverständniss lebte. Aus einem Schreiben Dienecker's vom27. Oktober 1515 an den Kaiser, welches Herberger I.e. S. 31 Note 100gibt, geht hervor, dass Schonsperger dem Maler Hans Schäuffelineinige Zeit die bedungene Zahlung vorenthielt, und ausserdem ihmfür je drei Figuren nach Gefallen zwei Gulden entrichtete. Dieneckerstellte darüber in dem erwähnten Schreiben beim Kaiser Klage, undbeschuldigte seinerseits den Schonsperger sogar der Untreue, mit derer ihm die Erfindung eines neuen Druckes abspreche, und sie für dieeigene ausgehe. Dienecker sagt, dass der Drucker diesen ..NewenDruck von mir suii.il. Niemandt anndern Erlernet vnd Erkonndt vnd jmdasselb gemacht." Es handelt sich nach Herberger wahrscheinlich umden „Teurdankdruck", und um eine Art Doppeldruck, ..auf DamastArt, contrafetischer Anschauung," wie Schonsperger in einem undatirtenSchreiben an den Kaiser sagt. Der Druck dos Tewrdank hat indessennicht so viel Eigenthümliches, dass sich Schonsperger einer neuenErfindung rühmen konnte. Es handelt sich eher um den Pergament-druck des Gebetbuchs des Kaisers mit Rubriken , zu welchem ganzneue Lettern gefertigt wurden. Es ist diess ein Doppeldruck, da auchroth gedruckte Buchstaben vorkommen, und das Werk überaus glän-zend ausgestattet wurde, so dass es in jeder Beziehung das hervor-ragendste Erzeugniss der Typographie des 16. Jahrhundorts ist. Die-necker könnte im weitesten Sinne dem Schonsperger die Modelle zuden Initialen und den übrigen Buchstaben geliefert haben, weil ersagt, er habe für denselben den neuen Druck gemacht. Ausserdemkönnte nur eine neue, von Dienecker erfundene Presse darunter ver-standen werden, was wir nicht glauben. Der Druck des Gebetbuches:Diurnale seu Liber Procura, fällt in das Jahr 1513, und ,,111 KalendasJanuarii 151b" hat es Schonsperger datirt. Im Verlaufe des Jahres1512 machte Dienecker Versuche im Drucke von Holzschnitten mitdrei Platten, so dass er drei Farben anwenden konnte. Das ersteBlatt ist das Bildniss des Hans Baumgartner nach H. Burgkmair, aufwelches er in einem Schreiben vom 27. Oktober 1512 den Kaiser auf-merksam macht. Hierin scheint nun das von Schonsperger beanspruchteGeheimniss des neuen Druckes die wahrscheinlichste Erklärung zufinden. Dienecker bedurfte bei der Herstellung des erwähnten Bild-nisses dreier Formen, und er konnte auch dem Schonsperger gerathenhaben, zum Rothdrucke einer Holzplatte sich zu bedienen , welche erzugleich auch zugerichtet haben müsste. Insofern durfte er wohlsagen, Schonsperger habe seine Erfindung für sich in Anspruch ge-nommen, und vor dem Kaiser damit sich gebrüstet. Dienecker konnteaber die Ehre der Erfindung des Bilddruckes in Helldunkel selbstnicht mit Recht beanspruchen. Der Formschneider der J. Scbott'schenDruckerei in Strassburg bediente sich schon vor 1511 dreier Plattenzum Drucke, und die Versuche des Lukas Cranach gehen um vier bisfünf Jahre voraus. Hugo da Carpi's Helldunkel von drei Plattendatiren von 1518, und sind daher später, als die deutschen Blätter.Baumgartner's Bildniss betrachten wir nicht als das Produkt einerganz neuen, von Augsburg ausgehenden Erfindung, gesetzt auch, dassDienecker den Cranach'schen Holzschnitten gegenüber auf die An-