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CW. Nr. 824.
824. Claus Wolf will man jetzt den Verfertiger eines Altar-werkes nennen , welchesvor etlichen Jahren ausder Kirche in Nürtingenin die k. Gallerie zu Stutt-gart kam. Das Haupthildstellt die Krönung derhl. Jungfrau vor, und istOrftC, W. tut« bezeichnet.H. 5 Seh. 3 Z. Br. 2 Seh.5 1 /» Zoll. Ursprünglichschlössen den Altar zweiFlügel, welche alier beider Restauration durchHrn. Conservator Eignerin Augsburg durchsägt wurden , so dass jetzt vier Tafeln vorhandensind, welche den Gruss des Engel* an Maria, die Heimsuchung Maria,die Geburt Christi und den Besuch der hl. Anna bei dem Jesuskindevorstellen. Der englische Gruss und die Geburt Christi sind mit C. W.ITtlO bezeichnet. Die inneren Bilder sind auf Goldgrund gemalt, unddie Heiligenscheine als feine, vom Kopfe ausgehende Strahlen behandelt.Die Anordnung ist symmetrisch, und zeigt, dass der Meister noch strengan der alten kirchlich-religiösen Kunst hing. Die Formen sind ideal,doch verschmähte der Künstler das Studium der Natur nicht durchbin,indem in den Männerköpfen dieselbe zu Hülfe genommen ist. Besondersschön sind die weiblichen Gestalten, und die Maria ist von mädchen-hafter Anmuth. Die Verhältnisse der Figuren sind schlank, theils mitlangen und weiten Gewandmassen, deren Falten nur selten eckig, undvon knitterichem Bruche sind. Die Engel haben erhobene Flügel mitPfauenfedern, aber gegen den herkömmlichen Gebrauch keine Heiligen-scheine. Vorherrschende Farben sind Rothbraun und Hräunlichrotb,auch Blaugrün mit Goldstoh", alle in tiefen, ernsten Tönen, aber klarund ohne kalte Mitteltöne. In den leicht gezeichneten Haaren vonschönen Massen sind die Lichter sehr fein aufgesetzt. Der Maler ge-hört sicher der oberdeutschen Schule an. Im Kunstblatt 1840 S. 419,und 1847 S. 51 wird er zu den Schülern des alten Hans Holbein inAugsburg gezählt, mit dessen Werken aber der Nürtinger Altar keineAnalogie hat. Herr Eigner vennuthet unter den Buchstaben C. W.den Augsburger Claus Wolf Strigell, welcher nach altschwäbischerWeise Claus Wolf ohne Geschlechtsnamen genannt worden seyn soll.Eigner besass ein Altärchen mit seinem Namen und der Juh.rza.hi 1SIII,und somit können wir einen Claus Wolf festhalten. Dieser kann abernicht, jener Claus Wolf Strigell seyn , welchen der genannte Bericht-geber in alten Urkunden genannt fand. Letztere sind wohl das alte,von Thomas Burckmair 1460 angelegte Handwerksbuch der AngsburgerKünstlcrzunft. Der in diesem Buche erwähnte Class Wolff Strigellwar aber 1495 nicht mehr am Leben. Th. Burckmair nennt ihn vorHans Blanckh unter den verstorbenen Meistern, und reiht nach diesemden 1495 verstorbenen Michel Dreyer ein. Unter keinem der folgen-den Jahre ist ein Claus Wolf Strigell eingetragen, so wie auch gerade-weg kein Claus Wolf vorkommt. Ein Hans Wolf Strigel ist 1547 unterden Todtcn angezeigt. Der von Herrn Eigner erwähnte Meister ClausWolf, dessen Name auf einem Altärchen von 1518 vorkommt, mussalso ein anderer Meistor seyn, als jener Class Wolff Strigell im Augs-burger Zunftbuche. Ein Claus Wolf ist in Augsburg nicht documentirt,kann aber sehr wohl in irgend einer andern schwäbischen Stadt gelebt