Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
113
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CL. Nr. 310. 113

Schlange brachte aber Cranach schon vorher an, wie unter den Ini-tialen CL mit der Jahrzahl 160(1 zu ersehen ist. Der Wappenbriefänderte Cranach's Stellung im bürgerlichen Verhältnisse nicht. Erwurde dadurch nicht in den Adclstand erhoben, sondern blieb wie vorund ehe Meister Lukas der Maler. Weder er, noch sein Sohn, nocheines von dessen Kindern, nennen sich nicht ein einziges Mal vonCranach. Wenn von Lukas von Cranach die Rode ist, so bezieht sichdas von immer nur auf den Geburtsort.

Die drei grösseren Monogramme kommen auf Gemälden seltenvor, und auch auf Holzschnitten begegnet man ihnen nicht häufig.Sie sind aber auf Holzschnitten durchgezeichnet, und formgetreu. EinGemälde mit einem ähnlichen Zeichen, doch in feineren Linien, undmit der Jahrzahl 1094 haben wir oben erwähnt. Es stellt die hl. Fa-milie mit Engeln vor, und befindet sich in der Gallerie Sciarra zu Rom.Die verschlungenen Buchstaben V L , und überdies: die geflügelteSchlange, findet man auch auf einem Gemälde in der k. k. Galleriezu Wien, welches die Judith mit dem Haupte des Ilolofcrnes vorstellt.Des Monogramms bediente sich Cranach anscheinlich nur in seinerfrüheren Zeit, wie aus den Jahrzahlen mit demselben zu ersehen ist.Später schrieb er öfter die Initialen 1.(1 auf, theils ohne, und thcilsmit der geflügelten Schlange. Die ächte Form der letzteren ist jene,welche oben copirt ist. Dieses Zeichen kommt aber auch kleiner vor,auf den meisten Gemälden mit einfacher Linie. Ausgeführter undgrösser ist es auf Kupferstichen und Holzschnitten, und wie bei Ge-mälden , so kann man auch aus der aufrechten Stellung der Flcder-mausfiügel auf die Originalität der Holzschnitte und Kupfersticheschliessen. Es hatte ursprünglich nicht jeder Holzschnitt, welchenman für Cranach's Arbeit halten kann, das Zeichen; dieses wurdeauf einigen Platten in nicht entsprechender Weise von anderer Handbeigesetzt, oder auch durch einen Stempel aufgedruckt. Die Aus-scheidung solcher Blätter ist die Sache des Kenners, welchem diegrosse Verschiedenheit Cranach'scher Holzschnitte nicht entgehen wird.Die Originalität des Schnittes muss empfunden werden. In diesemFalle unterscheidet man die geistreiche Hand von der handwerks-mässigen, wenn sie auch noch so geübt ist. Die geistreichsten Blätterrühren von Cranach selbst her, wie die Ruhe auf der Flucht nachAegyptcn, B. No. 3, S. No. 7, die Flucht der hl. Familie mit Engel-tanz, B. No. 4, S. No. 9, Churfürst Friedrich der Weise vor der Ma-donna, S. No. 97, Dr. Luther als Junker Jörg, S. No. 179, u. s. w.Die hl. Familie mit den Engeln liess R. Weigel für sein Prachtwerk :Holzschnitte berühmter Meister, Heft VII., in Helldunkel copiren.Im fünften Hefte sind drei Blätter aus dem Wittenberger Hciligthums-buche nachgebildet.

Die Monogramme auf dem vierten Stöckchen findet man auf Zeich-nungen, welche theils von dem älteren Cranach, theils von LukasCranach dem Sohne herrühren dürften. Das erste Zeichen der zweitenReihe ist so geformt, dass man auch (iL lesen könnte. In diesemFalle hat Gottfried Lcigel, Cranach's Schüler, seinen Namen ange-deutet, was um so mehr Wahrscheinlichkeit hat, da ein ähnlichesZeichen dieses Meisters das G deutlich durch den Querstrich angibt.Eine Zeichnung mit einem solchen Monogramme ist wohl jene, welcheSchuchardt II. S. 97 No. 359 beschreibt. Sie stellt den hl. Martinzu Pferd mit Gefolge vor, wie er mit dem Bettler den Mantel theilt.Sie ist mit der Feder auf blaues Papier ausgeführt, und hat wenigvon Cranach. Schuchardt vermuthet daher eine Schularbeit, vielleicht

Monograinmisten Bd. II. o