Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
112
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112 CL. Nr. 310.

darauf zurück, wo auch die Schlange oder der fliegende Drache abge-hildct ist. Selten kommen die Buchstaben L VC vor, über welche aubetreffender Stelle gehandelt ist. Als alleiniges Zeichen gelten auchöfter die beiden sächsischen Wappenschild«, besonders auf Holz-schnitten. Das Zeichen der geflügelten Schlange ist aber von grössererBadeutn&g, da es nicht allein auf Werken des älteren L, Cranach,sondern auch auf solchen seines gleichnamigen Sohnes vorkommt.Letzterer wurde 1515 geboren, und er arbeitete daher schon in einerZeit, in welcher der Vater noch in voller Bliithc stand. Für ihn ent-scheiden einerseits nur die Jahrzahlen nach 1553. Uebrigens bleibtes dem Kenner überlassen, seine Gemälde von jenen des Vaterszu unterscheiden. Den Faden gibt Schuchardt an die Hand , welcheriu seinem Werke öfter Veranlassung fand, das Verdienst beider Künstlerzu würdigen. Der jüngere Lukas Cranach starb 1586. Hinsichtlichder geflügeltem Schlange ist aber noch zu bemerken, dass sie nichtbloss auf Werken der beiden Cranach, sondern auch auf den Bildernder Schüler und Nachahmer vorkomme. Nach Schuchardt 1. c. II. S. 7unterscheidet sich dieses Zeichen bei den eigenbändigen Werken desälteren Cranach dadurch, dass die Flügel immer gerade in die Höhestehen, Fledcrmaustlügel sind, während sie bei allen übrigen mehroder weniger liegend, wie Vogelflügel erscheinen. Letzteres ist auchbei den Werken des jüngeren Lukas Cranach der Fall, welcher dieSchlange sehr consequent und fetter bildete, als der Vater. Der Hing,welchen sie im Munde hält, hat immer einen Stein, während der ältereCranach auf Gemälden gewöhnlich nur einen einfachen Reif zeichnete.Auch die Jahrzahlen unterscheiden sich. Auf Bildern des Sohnes sindsie gleichmässig und schreibgerecht gebildet, und nähern sich mehrder modernen Form. Die oben beigefügten Zahlzeichen des älterenCranach sind für ihn massgebend. Wenn ein Künstler, sagt Schuchardt,sein ganzes Leben hindurch ein solches Zeichen gleichförmig macht,so kann man annehmen, dass es mit einer gewissen Freiheit und Vir-tuosität geschieht. Und diess ist auch bei Cranach der Füll, so dassein geübtes Auge schon darnach urtheilen kann, ob es verfälscht oderecht sei. Bei Copien, besonders solchen, welche in betrügerischerAbsicht gemacht sind, und auf welchen das Zeichen in der richtigenForm erscheint, wird man diess am besten bourthoilen können. Kbensofindet mau oft das Zeichen mit dem Grunde, worauf es steht, übermalt.Bei anderen eigenhändigen Werken, welche ursprünglich gar keinZeichen hatten, oder auf welchen es verlöscht war, hat man es mitliegenden Flügeln hergestellt. Da nun das charakteristische Zeichender Schlange einigen Anhaltspunkt geben kann, so werden wir das-selbe in der betreffenden Abtheilung mit den figürlichen Marken mitden Chursehildcn beifügen. Die übrigen Kennzeichen der Eigenhändig*keit Cranach'schcr Werke lassen sich nicht versinnlichen. Sic liegenin dem geübten Auge des Kenners, welcher sie durch Beobachtungaufnimmt. So viel bemerken wir noch nach Schuchardt, dass sich aufächten Bildern des älteren Cranach das Schlangenzeicben weder durchGrösse, noch durch Farbe besonders bemerkbar mache. Es ist öftermit dem Pinsel an solche Stellen gezeichnet, wo die darüber gezogenedünne Farbe es durchscheinen lässt. So verschieden auch die Formdieses Zeichens auf Kupferstichen und Holzschnitten ist, so hat esdoch nicht einmal die Flügel liegend. Auch auf seinem Siegelringestehen die Flügel der Schlange aufwärts. Den Wappenbrief ertheilteihm der Churfürst 1508, und mit diesem das Wappen der geflügeltenSchlange, welches complicirtcr ist, als im Ringe. Die Schlange er-scheint nämlich im Schilde und auf dem Helme. Das Zeichen der