Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
111
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CL. Nr. 310. 111

angeben zu können, wem der junge Cranach seine schnelle Ausbildungzu verdanken habe. Einen artistischen Beleg für die schon 1504 völligausgebildete eigcnthümliche Weise des Künstlers gibt das zierliche Ge-mälde der hl. Familie in einer Landschaft mit einer Masse von Engelchesin der Gallerie Sciarra zu Rom. Es ist ausser der .lahrzahl IZOb mit

dem verschlungenen GL bezeichnet, ähnlich dem obigen Monogr;..... ne

mit 430(>, nur feiner gebildet. Ein früheres Datum als tö04 kenntman bisher auf Gemälden Cranach's nicht. Das erwähnte Bild derhl. Familie führt uns auch wieder in das Haus seines Vaters zurück,denn es ist wahrscheinlich in demselben cutstanden. Und hätte derKünstler auch im Jahre seiner Anstellung als Pietor Ducnlis in Witten-berg das Gemälde vollendet, so ist es immerhin von Wichtigkeit, dieUmstände zu kennen, durch welche er in seine eigenthiimliehe Richtunggelangte. Der unmittelbare Kinfluss des M. Grünewald ist nicht zuerkennen , wenn auch eine gewisse Wechselwirkung zwischen beidenKünstlern stattgefunden haben mag. Er stellt aber auch in einem ge-wissen verwandtschaftlichen Verhältnisse IUI Richtung der fränkischenSchule, welche mit A. Dürer ibren Culininationspunkt erreichte. Esfällt jedoch Niemanden ein, ihn in die Nürnberger Schale zu ver-weisen. Eine ganz unglückliche Idee war es aber, wenn Schadow(Wittenherg's Denkmäler &e. S. 129) Cranach's Vorbild in dem um22 Jahre jüngeren Lukas von Leyden erkennen will. Der Einilussder alten niederländischen Schule auf die deutsche ist keineswegs zuläugnen, doch haben bestimmte Schulen ein eigenlbüniliches Geprägeangenommen, welches bei grosser Uebcreinstimmung in vielen Dingendennoch wieder eine merkliche Scheidewand zwischen den Schulenbildet. Jede hat ihre charakteristischen Merkmale, und so auch jenevon Cranach und Grunewald, in welcher vielleicht die grösste Uebcr-einstimmung herrscht. Der goldfarbige Grund in Bildern des Letztemist aber dem L. Cranach fremd. Die Schule, aus welcher unser Meisterhervorgegangen ist, suchen wir im Baute seines Vaters, dessen Werkebisher Niemand bezeichnet hat. Es gibt aber noch etliche Gemälde,welche im Wesentlichen mit jenen seltenen Kupferstichen stimmen,die mit den Initialen I.C und anseheinlich 5 bezeichnet sind, II. VI.p. 361. In dieses Werken liegen die Elemente der Bildung des LukasCranach sen., und man möge uns erlauben, die Buchstaben /. C mitdem wohl bedeutungslosen Schreiberzug auf den Vater uusers Künstlerszu deuten. Die Geschieht« sagt zwar nicht, dass er Lukas geheimenhabe, man kann über annehmen, dass, wie häufig, der Sohn den Tauf-namen des Vaters erhalten habe, sowie auch unser Lukas Cranachseinen Sohn ebenfalls unter dem Namen Lukas tauten licss. So hättenwir nun eine fränkische Künstlerfamilie Namens Cranach, und Gnn-deram konnte daher von dem jüngeren Lukas Cranach sagen: avitaarte excellens est, dass er sich in der von seinen Vorältern überliefer-ten Kunst auszeichne. Was noch weiter über Lukas Cranach unddessen Verhältnis« zu dem sächsischen Churhause, welchem er bis anseinem 1553 erfolgten Tod in unverbrüchlicher Treue anhing, zusagenist, möge man in dem trefflichen Werke von Schuchardt nachlesen,da die Anhaltspunkte sicherer sind, als in jenem von Heller.

L. Cranach bediente sich verschiedener Zeichen, und die obengegebenen kommen auf Gemälden, Zeichnungen und Holzschnitten vor.Die Form ist aber nicht ganz stereotyp, indem das Monogramm auchkleiner und feiner gebildet ist. Uebrigcns bediente sich der Künstlernoch öfter der Buchstaben /. C. mit und ohne die heraldische Schlange,welche auf Werken dieses Meisters eine wichtige Rolle spielt. DieInitialen L C erscheinen auch verkehrt, und wir kommen daher unten