Druckschrift 
4 (1871) IMM - SH
Entstehung
Seite
612
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612 ML. Nr. 1965.

die in Holz geschnittenen Costüme und Ansichten aus der Türkei sindaber von 1570—1583 datirt. Der Künstler müsste also die Zeich-nungen, welche er an Ort und Stelle gefertigt hatte, später zum Holz-schnitte umgearbeitet haben. Im Jahre 1582 trat er in Dienste desKönigs Friedrich II. von Dänemark. Lorch hatte aber schon 1580 dasBiUlniss dieses Königs gezeichnet, und 1582 erschien der Stich des-selben, fol. Die Jahrzahl 1583 finden wir noch auf Holzschnitten mitAnsichten aus der Türkei, und 1594 steht auf der grossen Flusskarteder Elbe mit dem Namen des Künstlers. Diese Karte kennen Bartschund Passavant nicht. Nach 151)4 dürfte der Künstler nicht mehr langegelebt haben.

Bartsch IX. pag 500 beschreibt 16 Kupferstiche von M. Lorch,Passavant IV. p 180 bringt aber das Verzeichniss auf 29 Nummern.Im Künstler-Lexicon sind 25 Kupferstiche verzeichnet. Es fehlt dasBildniss des Ritters Wilhelm von Grumbach, welcher im Sessel sitzt15(!7, kl. fol. Passavant erwähnt No. 24 ein Blatt mit Aristoteles,aber nur nach Huber, ohne nähere Beschreibung. Es hat eine grie-chische, lateinische, arabische und hebräische Inschrift 1561. IL 6 Z.2 L. Br. 3 Z. 8 L. Passavant nennt No. 23 auch das Portrait einesbärtigen Mannes im Pelzkleide mit Kaputze in Profil nach rechts, undes wird dicss wohl nicht das Portrait des Wilhelm von Grumbachseyn, fol. Dann erwähnt er auch einen weiblichen Kopf von 1580,nur nach Huber, 8. Im Winkler'schen Cataloge ist ein Blatt erwähnt,welches die Rebecca vorstellt, wie sie dem Eliezar Wasser reicht, mitMonogramm und 1585, gr. fol.

Im Künstler-Lexicon haben wir nur die Satyrc auf das Papstthumvon 1545 beschrieben, es sind aber zwei Blätter mit solchen Darstell-ungen vorhanden, welche wir genauer beschreiben als Passavant, alsschweinische Pelege zur Culturgeschichte des 16. Jahrhunderts.

1) [P. 27] Der Papst als wilder Mann mit Eselsohren und derdreifachen Krone auf dem Haupte. Aus seinem Munde geht ein Qualmhervor, in welchem Kröten, Schlangen, ein Scorpion und allerlei Un-geziefer schweben. In der rechten Hand trägt die geflügelte Figur einenblätterlosen Baum, und in der Linken einen zerbrochenen Schlüssel.Gesicht, Hände und Knie sind nackt, und ganz behaart. Der langeSchwanz zieht sich zwischen den Beinen durch. Rechts gegen untenist eine zweite geflügelte Satansfigur mit Löwenmähne und Krallen,und einem Cardinalsbut um den IIuls des phantastisch gebildeten Kopfes,aus dessen Schnabel ein Bischof hervorkommt. Dieses Scheusal sitztauf einer Tafel, auf welche der Unrath herabfällt. Heide Figurenschweben über dem brennenden Höllenpfuhl, in welchem Verdammtezu sehen sind. Links oben steht auf einer Tafel:Alaxander Herschaft ist ton gotZur hulf dem Menschen in der not

Unter der achtzeiligen Inschrift steht:

1044MART. LVTHER. D.Rechts gegen unten ist eine zweite Tafel mit der Schrift:Hebt. evch. got. tndl. menschen, ferrn.ich. tndt. le'vffel. findt. die. kern.Oben in der Mitte steht, das Monogramm ML, welches dem zwei-ten Zeichen gleicht. IL »Z7 L. ISr. 7 Z. 3 L. .Dieses fein behandelte Blatt scheint uns für M. Lorch zweifelhaftzu seyn. Man kann annehmen, dass es 1545 erschienen ist, weil sienLuther unter diesem Jahre neunt. M. Lorch war damals kaum 18 Jahre