Druckschrift 
4 (1871) IMM - SH
Entstehung
Seite
229
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KI. Nr. 804. 229

behandelt die Fabel von der Päpstin Johanna, wie sie in Gegenwartder Cardinäle und Bischöfe bei der Prozession entbunden wird. Linksunten ist das gegebene Tafelchen. H. 2 Z. 10 L. Br. 5 Z. 3 L.Dieses Blatt kommt zuerst vor in: Joannis Boccatii de Certaldoin sinne Opus de Claris Mulieribus. Bernae, M. Apiarius 1ö3fi, fol.Apiarius fügte den unsauberen Holzschnitt aueh folgendem Werke bei:Schimpft und Ernst durch alle Welthändel. Bern 16*42. fol. In Copieerseheint die Geschichte in : Fürnemste Historien und exempel vonwiderwärtigen Glück — durch J. Boccatium — von liier. Zieglerverleulschl. Augsburg, H. Slainer /.347, fol. Eine weitere Copiemit vergrössertem Dolch kommt vor auf der Rückseite der Epistoladedicaioria in: Ordo Eligendi Pontificis et Ratio de ordinatione etc.Tubingae lütti, 4. Dann kommt auch ein fliegendes Blatt mit dar-unter gesotzten Versen vor: Von hurebobsl. — Ihr liebe cristleut

höret des j eyn hur ist der babst gewest ------, kl. fol. Dieses Blatt

erschien wohl in der Schweiz, und bald nach 1Ü42, wenn nicht früher.Die Zwinglianer fanden ein grosses Vergnügen darin, von einem Papstin Kindsnöthen zu wissen, und auch in Deutschland wurde die Fabeldurch Wort und Bild verbreitet Doch datirt der Ursprung der Fabelweit über die Reformation hinauf, so dass sie nicht auf die Ehre derErfindung Anspruch machen kann. Sie ist also ein Produkt katho-lischen Witzes.

804. Johann Eellerdalor oder Kellerthaler, Goldschmied in

p^f-j-^ Dresden, der ältere dieses Namens, hinterliess etliche Blattei

„ T in Bunzenmanier, welche zu den Curiositätcn gehören. Brulliot

^ Zt\ ■"'■ ^'" S" 1 ' ^' e Ii' 1 '"' 011 > n Doppcllinien mit der Jahr-

zahl 1550, sagt aber nicht, auf welchem Blatte sie vorkommen.

/H'I' Durch J. A. Börner wissen wir von zwei Bildnissen in einerManier, welche das Eigenthümliche hat, dass die Stellen, auf welchedas höchste Licht fallen muss, stark mit Punkten überdeckt sind, diesePunktirung da schwächer und weitläufiger wird, wo die Halbschattenbeginnen, und dass sie allmäblig verschwindet, je dunkler die Schaltenwerden sollten. Schwarz auf lichtem Grunde abgedruckt, bringen diesePlatten also nicht die beabsichtigte, sondern eine entgegengesetzteWirkung hervor. Sie müssen nach Börner bestimmt gewesen seyn,mit heller Farbe, vielleicht auch mit Gold, auf dunkleres Papier oderirgend einen anderen Stoff gedruckt zu werden, und sind die Abdrückedann vielleicht zu Büchor-Einbiindcn benutzt worden. Wenigstens konntediess der Fall mit Luther's Bildniss gewesen seyn ; nur tritt noch einUmstand ein, welcher elnigermassen dagegen spricht. Börner kenntnämlich von Luther's Bildniss zweierlei Abdrücke. Der eine zeigtden Reformator nach rechts, und die Schrift über und unter dem Bild-nisse ist verkehrt, der andere nach links und die Schrift rechtzeitig.Das zweite Bildniss, jenes des Churfürsten Moriz von Sachsen, batebenfalls oben verkehrte deutsche Schrift, und die Abdrücke dieser Artsind von beiden Bildnissen weit kräftiger und schärfer, als jene mitgerader Schrift. Sind nun die Abdrücke mit verkehrter Schrift keineContradrucke, gibt sie die Platte so, und ist demnach in dieser dieSchrift rechtseitig eingestochen, so wären die Abdrücke mit gehörigerSchrift nicht, sondern vielmehr die Gegendrücke zu gebrauchen.

1) Das Bildniss des Dr. Martin Luther in 8 / 4 Ansicht, mit einemgeöffneten Buche in den Händen. Links und rechts oben Wappen-Schilde mit Lamm, Oriflamme und Rose. Ueberschrift: Pestis erävivus | Moriens ero mors lua papa. Unterschrift: Nach Christigeburt MDXLVI. ihar \ den XVIII tag des Hornungs ist der selige \