Druckschrift 
5 (1879) SJ - Z
Entstehung
Seite
192
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V.

958. Vieeeri, Kunsthändler in Venedig und wahrscheinlich auchPormschncidor, ist durch alte Holzschnitte bekannt, aufwelchen er gewöhnlich II Vieeeri zeichnete. Kin solchesKnnu.sclinittwork von zwei Stöcken gibt eine Ansicht vonVenedig in Vogelperspektive, mit den Lagunen, den Inselnund einem kleinen Thoilo des Pestlandes. Die Stadt nimmtden grösseren Theil dor oberen Hälfte des Blattos ein.Oben in der Mitte, otwas nach rechts, sieht man Mu-tant), links unten Chioggia, woiter rechts Malamocco. Die Namen vonHauptgebäuden dor Stadt, Inseln, Ortschafton sind in Holz geschnitten,acht verschiedene Winde durch blasonde, aus verschiedenen Wolken hervor-ragende Köpfo sammt ihren Benennungen angedeutet. Hie und da,namentlich unten, ist dio Vorstellung durch Figuren — Netze ziehendeFischor, Lioliespaare, oine Trinkgosollschaft etc. — belebt. Diese Figurenstoben in grossem Missverhältniss zu den ihnon nahen Häusern, sindaber meist hübsch gozeichnet. Schiffe von verschiedenen Grössen undForraon befahron die Lagunen; auch „el Buzontor", von Gondeln um-geben, ist zu sehon. Links gegen den Rand zu ist unten die auf einerWolke sitzende Figur dos christlichon Glaubens- mit dem Kelche unddem Kreuze. Rechts unten sieht man eine verzierte Tafel mit gedrucktemTexto. Mit „Orif/ine della Inclita Cittä äi Venezia" überschrieben, gibter in 18 Zeilen Nachricht von der Entstehung der Stadt. Dann folgtein Gedicht in zwei Oolumnon:

0 Vonotia, Cittä Rcgi vn bei stato

Stupisce e gode in liberta respira.II Vieeeri.

Ein schmalor Rahmen mit weissen auf schwarzem Grunde hervor-tretenden Vorziorungen umgibt das Ganze in einer Höho von 19 Z. 6 L.und einer Breito von 28 Z. 3 L.

Im Künstler-Loxicon XX. S. 228 sind zwoi andero Formschnittworkeaus dem Verlage dos Viecori erwähnt, den Kindermord und dio Cebes-tafol vorstellend, beido in grossem r^ormate und mit vielen Figuren be-lebt. Don Prospekt von Vonodig führen wir hier auf, woil sich obigesZeichen darauf befindet. Der Annahme, dass es sich auf Vieeeri be-zieht, steht wohl nichts ontgegen, obgleich diesor in dem Gedichte ansein Publikum spricht, dem er den Verlagsartikel verkaufen will. Solltedas Zeichen den Vieeeri zugleich als Formschnoidor der Ansicht und alsVerleger andeuten? Dm grosse Blatt mit dem Kindermorde kann erindessen nicht geschnitten haben, weil es im ersten Drucke den Namendes Pomonico Oampagnola MDXVII trägt. Vieeeri tritt orst nach derMitte tles Jahrhundorts auf. Das Blatt wurde mit Unrecht auchdorn Remigius Rodius zugeschrieben, woil an einer Stufe des Thrones*ß' RODIIa steht.

Es ist darüber untor den Buchstabon Bit. No. 3766 des vorigenBandes gehandelt. Wahrscheinlich durch den Namon „II Vieeeri" v«r-