Druckschrift 
3 (1863) GK - IML
Entstehung
Seite
870
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870 ID. Nr. 2163.

aber nicht zu den sklavischen Nachahmern. Die reichste Fundgrubebot ihm die Natur im bayerischen Oberlande mit seinen herrlichenWäldern und seiner üppigen Vegetation, welche er in seinen Gemäldenmit aller Frische und in vollkommener Treue wiedergab. Dorner undWagenbauer behaupteten nicht nur in München eine Reihe von Jahrendas Feld, sondern erwarben sich mit ihren Werken auch im AuslandeRuf. Beide zogen sich selbst ihre Grenzen, und keiner durfte es wagen,ohne Eifersucht des anderen dieselben zu überschreiten. Dorner warder Maler des Waldes und der Wasserfälle, Wagenbauer jener derfetten Triften und Weiden des Viehes, und wenn ersterer zuweileneinen Ochsen oder eine Kuh auf seinen Gründen weiden liess, so be-klagte sich Wagenbauer bitter, dass er ihm das Vieh wegnehme, stattmit den Bäumen und Holzbauern sich zu begnügen, die ihm überlassenbleiben sollten. Das Kleeblatt machte damals in München Simon Waren-berger voll, auf welchen aber beide eifersüchtig waren, da er Bäume,Figuren und Thiero malte, und nach ihrer Ansicht jeden beeinträchtigte.Endlich änderten sich die Zeiten; von allen Seiten strömten Künstlerherbei, und die Koryphäen der alten Münchner Schule wurden in denHintergrund gedrängt. Dorner besitzt aber in jeder Hinsicht grosseVerdienste, welche auch jetzt noch anerkannt worden müssen. WenigeKünstler haben schönere Bäume gemalt, als er. Auch das Wasserund die Vegetation ist trefflich behandelt, und wenn er in der Staffngevon Figuren und Thieren den Wagenbauer und Warenberger geradenicht übertrifft, so steht er ihnen jedenfalls ebenbürtig zur Seite.Seine schönsten Bilder datiren bis 1818, Jetzt unterbrach ein Uebelam rechten Auge seine Thätigkeit, welches aber 1821 durch eine glück-liche Operation gehoben wurde. Dorner griff wieder zur Palette, konntesie aber nicht mehr so rein zusammenhalten, wie früher. Die Gemäldeaus dieser späteren Zeit haben zwar noch die Vorzüge einer genauenZeichnung der Naturformen, sie entbehren aber jener Klarheit undWärme der Färbung, welche seine früheren Werke so anziehend macht.Auch geht das Colorit in's Grünliche und Bläulicho über, da das Augedie warmen und frischen Töne, welche in den Bildern der Blüthezeitdes Künstlera herrschen, nicht mehr genau erfassen konnte. Dornersetzte aber seine künstlerische Thätigkeit mit rastlosem Eifer bis zumJahre 1843 fort, als ihm plötzlich ein Schlagfluss die ganze linke Seitelähmte. Durch diesen Unglücksfall ward er zwar seinem Wirkungs-kreise als k. Gallerie-Inspektor entrückt, dem Drange des Schaffenskonnte aber der Künstler noch nicht widerstehen. Er malte nochmehrere Bilder in Oel und Aquarell, und brachte deren zu den öffent-lichen Ausstellungen. Man kann sie aber nur mehr als Versuche einesguten Zeichners in Farben ohne Harmonie betrachten. Es zieht sichein unruhiger, gewöhnlich lichtblauer, und grüngrellcr Ton durch,welcher es bedauern lässt, dass eine so verständige, ja schöne Com-position nicht besser gemalt ist. Diese Perioden müssen bei Dornerunterschieden werden, und jede zählt viele Bilder, sowohl in Oel, alsin Aquarell. Auch lithographirte und radirte Blätter findet man vonihm. Die ersteren gehören grösstcntheils zu den Incunabeln, sie sindaber als solche von Bedeutung, da man nur selten schönere Baum-studien aus jener Wiegenzeit der Lithographie findet. Auf Litho-graphien und Radirungen erscheint das Zeichen zuweilen verkehrt, sodass wir es unter DI IL No. 1149 geben mussten. Auf Oelbildernund Aquarellen wiederholt sich das Monogramm gewöhnlich in erster,und auch in zweiter Form. Die übrigen Zeichen kommen auf Radir-ungen und Lithographien vor. Die schöne Landschaft mit Wasserfallin der herzoglich Leuchtenbergischen Gallerie hat J. Wölffle litho-