204 HB. Nr. 654.
Dibdin's Aedes Althorplnae II. p. 20 zu ersehen ist. Das Schreibenund Illuminiren führte den Künstler auf die Buchdruckerkunst, es hatsich aber die lange geltende Tradition, dass er schon 1460 und 1467zwei deutsche Bibeln geliefert habe, nach Zapf s schärferer Kritiknicht als wahr bewiesen. Er tritt erst 1472 als Buchdrucker auf, undübte diese seine Kunst bis 1495, in der spätem Zeit nur mit grössererGemächlichkeit. Wenn nun Bcmlcr keine Bibel gedruckt hat, so hal-ten wir ihn wenigstens für den Illustrator der bei Hans Schönsperger1487 gedruckten Bibel in Folio. Biese Ausgabe enthält 80 Holzschnitteund figurirto Titel, welche gewöhnlich colorirt vorkommen. Wir kennenkeinen Augsburger Meister , welcher zu dieser Ausstattung geeigneterwar, als Hans Bomler, da er sicher auch den Schnitt der Plattenüberwachen konnte. Auf dem Blatte mit David, wie er links vorn imErdgeschosse seines Palastes die Harfe spielt, ist unten in der Mittedas obige Zeichen, welches wir auf Bemler deuten zu dürfen glauben.Das erwähnte Blatt ist 3 Z. 3 L. hoch und 5 Z. 6 L. breit. Dieübrigen Holzschnitte sind etwas grösser, 3 Z. 8—9 L. hoch und 5 Z.6—8 L. breit. Sie sind mit zwei Linien eingefasst, kommen aber auchmit einer Leisto von Arabesken vor. Die Stöcke wurden nämlich späterzur Ausschmückung der 1507 und 1515 (1518?) von Silvan Otmargedruckten Bibel benützt. In dieser sind die Columnen breiter, alsjene in der Scbönsperger'schen Bibel von 1487 und 1490, und es wurdedaher bald rechts, bald links eine Leiste mit Arabesken beigefügt.
In der von S. Otmar auf Kosten des Johann Rynmann gedrucktenBibel scheinen auch einige frühere Bilder copirt worden zu seyn. DasBlatt mit David ist 3 Z. 1 L. hoch und 5 Z. breit, und somit etwaskleiner, als jenes in der Bibel von Schönsperger. In der Otmar'schenAusgabe von 1507 ist noch ein anderer Holzschnitt mit dem zweitenZeichen versehen. Er stellt die babylonische Hure auf dem Thieremit sieben Köpfen und zehn Hörnern vor. Wir haben in dem unsvorliegenden Exemplare der Bibel von 1487 diese Vorstellung nichtvorgefunden, in der Ausgabe von 1490 ist sie aber enthalten.
Uebrigens sind diese biblischen Vorstellungen nicht Original-Com-positionen, sondern nur Copien nach den grösseren Blättern der Ko-bergcr'schen Bibelbilder von 1 483, wie schon Panzer bemerkt. Es liessaber Koberger oder Koburgcr die Darstellungen nicht selbst zeichnen,sondern er benützte die Holzschnitte der berühmten Cölnischen Bibel,welche zwischen 1470 und 1480 erschien. In der Vorrede dieses Werkesheisst es, dass die Figuren zum Nutzen oder Vergnügen der Lesernach den Gemälden, die in vielen Kirchen und Klöstern befindlichwären, hergestellt wurden. Die Bilder der Scbönsperger'schen Bibelhaben aber durchaus den gleichen Charakter, so dass sie von der einenund derselben Hand zu kommen scheinen.
654. Hans Brösamer, gewöhnlich Brosamer genannt, gehört
t-»--^ zu den tüchtigsten Formschneidern, welche in der
aU T/VjD ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebten. Das ge-|~) .17^1) gebene Zeichen wurde aber bisher nicht auf H. Brö-. . _ r'\T\ samer gedeutet, es treffen jedoch Zeit und UmständetrT), /vD ein , welche es fast zur Gewissheit machen , dassBrösamer darunter angedeutet ist. Der Meister mit diesem Mono-gramme lebte in Erfurt zu einer Zeit, in welcher Brösamer daselbstthätig war. Er nennt sich unter einem meisterhaft geschnittenen Bild-nisse des Landgrafen Philipp von Hessen: Hans Brösamer Form-schneider zu Er/fordt. Wir haben es also hier mit einem Xylo-ijraphen von Profession zu thun, welcher aber in jeder Hinsicht auch