GVK. Nr. 454. 141
Genesung. In Ems schloss G. v. Reutern den Freundschaftsbund mitdem Dichter Joukofsky, welcher sich 1841 mit dessen ältester Tochtervermählte, und als russischer Staatsrath starb.
Mit dem Jahre 1820 beginnt die Zeit der ernsten Kunststudiendes Oberstlieutenants von Reutern. Er zeichnete von jetzt an fünfJahre nach der Natur, hauptsächlich mit der Feder. In diese Zeitfallen auch die Versuche im Radiren. Von 1828 an malte er aber auchviele Bilder in Aquarell, worin ihm G. Lory jun. Unterricht ertheilthatte. In Willingshausen malte er den grössten Theil seiner Schwalmer-bilder, welche Georg Koch in Kassel lithographirte. Sie erschienenvon 185(1 — 1858 in fünf Heften unter dem Titel: An der Schwalm,Bilder aus dem hessischen Volksleben von G. von Reutern, fol.Aus jener Periode stammen auch viele Familienportraite, zum Theilals Genregemälde behandelt; ferner ein grosses Aquarellbild mit Ara-besken auf Goldgrund, den Lebenslauf des Künstlers darstellend.Göthe schrieb 1831 Verse in die Mitte.
Eine Augenkrankheit, welche den Künstler 1833 befiel, machtezwei Jahre hindurch jede Arbeit unmöglich, und sie bewog ihn, ciniger-massen hergestellt, der Aquarellmalerei gänzlich zu entsagen. Ersiedelte daher im November 1834 nach Düsseldorf über, um unterSchadow's Leitung der Oelmalerei sich zu widmen. So fing er denn1835 als Mann von 41 Jahren bei Professor Hildebrand an, Oelstudienzu malen. Im Jahre 1836 malte er zwei lebensgrosse Brustbilder,einen Pagen im mittelalterlichen Costüme, und ein Mädchen, welchesneugierig das Schatzkästlein öffnet. Diese Bilder sandte er dem KaiserNikolaus I., welcher ihn mit der Anstellung als „Maler für die kaiser-liche Familie" beehrte. G. v. Reutern war neun Jahre in Düsseldorfthätig, und malte da Landschaften, so wie grössere und kleinere Genre-bilder, welche zu den schönsten Werken ihrer Art gehören, besondersdie Hausandacht von Schwalmcr Bauern, die am Grabe betende Muttermit dem Kinde, St. Georg mit zwei Kränzen zur silbernen Hochzeitdes Kaisers Nikolaus, und die Mutter mit dem schlafenden Kinde imArme, welche der Künstler fünfmal wiederholte, in einer Höhe von3 / 4 Fuss.
Im Jahre 1844 zog G. v. Reutern nach Frankfurt a. M., veran-lasst durch Philipp Veit und Eduard Steinle. Er arbeitete mit diesenMeistern im deutschen Hause zu Sachsenhausen. Dann vollendete erdas schon in Düsseldorf begonnene lebensgrosse Gemälde mit Abraham'sOpfer, und begann neuerdings ein Bild der Madonna mit dem Jesus-kinde und Johannes, ungefähr drei Fuss hoch. Von 1849—1851 machteder Künstler in Baden und in der Schweiz neue Studien nach derNatur. Von 1852 — 1856 erfolgte ein Todesfall seiner Lieben auf denanderen, und seine Arbeit erlitt eine grosse Unterbrechung. Erst 185?vollendete er das schon 1851 begonnene Schweizerbild, ein Mädchenunter dem Baume am See vorstellend. Im Jahre 1858 vollendete erdas erwähnte Gemälde mit der Madonna, und 1859 ein zweites Schweizer-bild, drei Sängerinnen im Boote bei hellstem Sonnenschein. Ans dieserZeit stammen auch die lebensgrossen Kniestücke seiner beiden SöhneAlesander und Basil im Waffenschmucke des Krieges gegen die West-mächte. Zum Schlüsse nennen wir noch zwei Genrebilder: ein Kind,welches das Kreuz schmückt, und die Feier des heil. Abendmahles.Ausser den Schwalmerbildern sind auch noch zwei andere Bilder durchdie Lithographien von G. Koch bekannt: eine hessische Bäuerin, undder Abendsegen, fol. ■ , „ , . . ,
G von Reutern bezeichnete Gemälde und Zeichnungen mit denBuchstaben Q. v. R. Man findet sie mit der Jahrzahl i035 auch auf