Druckschrift 
1 (1858) A - CF
Entstehung
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890
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890 BS. Nr. 2079.

ein Barthel Schön seine Kupferstiche mit den kleinen Buchstaben 6 x Sbezeichnet habe, und man wollte in diesem den Bruder des MartinSchön erkennen. Christ fusst in seinem Monogrammenbuche S. 129auf dieser Aussage Sandrarts, und somit kam die Tradition bis aufunsere Tage. Bartsch P. gr. VI. p. 68 zog sie aber in Zweifel, in-dem Scheurl (Opera Bilibaldi Pirkhaimeri p. 351) unter den Brüderndes Martin Schön keinen Barthel nennt, und auch v. Murr (JournalXV. p. 31) in seinen Nachrichten über die Malcrfamilie Schön einenMeister dieses Namens nicht aufzählt. Daraus könnte aber nur her-vorgehen, dass in Nürnberg kein Barthel Schön gelebt habe, und wennes richtig ist, dass nach Scheurl die Brüder des Martin Schön Caspar,Paul, Ludwig und Georg heissen, so muss Barthel Schön wirklicheiner anderen Familie angehören. Diese wollte man in Ulm finden,da C. Grüneisen und E. Manch (Ulm's Kunstleben im Mittelalter S. 34)von einer alten eingebürgerten Familie der Schön oder Schongawcrsprechen. Sie nennen unter den Mitgliedern derselben Martin sen.1404—1416, Barthel sen. 1429—1440, Martin jun. 1441 — 1461, Lud-wig 1460—1491, Barthel jun. 1471, u. s. w. Allein Professor Hassler(Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm undOberschwaben. Ulm 1855, S. 76) hat alle Ulmischen Urkunden undCopialien auf das Sorgfältigste durchgegangen, aber nicht in einereinzigen den Namen Schön, oder gar Martin und Barthel Schön undSchongawer vorgefunden. Nur der Name Martin kommt als der einesoder mehrerer Maler von 1398 — 1461 vor, es ist aber nicht zu be-weisen, dass einer derselben, oder der Meister Barthel den Geschlechts-namen Schön oder Schongawer geführt habe. Erst 1479 erhielt einLudwig Schongawer das Bürgerrecht in Ulm. Gleichzeitig lebte inAugsburg ein Maler dieses Namens, wenn nicht der eine und derselbedas Bürgerrecht gewechselt hat. Wenn es nun ausgemacht ist, dassin Ulm weder ein Martin, noch ein Barthel Schön gelebt hat, auchin Augsburg für sie keine Stelle zu finden ist, und Barthel Schön auchin Nürnberg vergebens gesucht wird, dieser bei Scheurl in der Reiheder Brüder des Martin Schön auch nicht erscheint, so bleibt es injeder Hinsicht zweifelhaft, ob die Blätter mit den oben gegebenenBuchstaben einem Barthel Schön angehören. Und wenn auch wirklichein Meister dieses Namens gelebt hätte, so wäre es dann doch nichtausgemacht, dass er der Bruder des berühmten Martin Schongaucr inColmar gewesen ist. Den Meister b x ,S kann man nicht einmal füreinen unmittelbaren Schüler des Martin Schön halten. Er ist jeden-falls ein Zeitgenosse des Meisters ES gewesen, und hat schon früher,als Martin Schön, die Kunst geübt, wenn er auch, wahrscheinlich inspäteren Jahren, dessen Passion copirt hat. Einen wichtigen Anhalts-punkt für die frühere Zeit dieses Künstlers gibt Inspektor C. Beckerin Würzburg in Dr. Naumann's Archiv, zweiter Jahrgang S. 168.Es wurde nämlich vor Kurzem in dem v. Holzhansen'schen Familien-archive zu Frankfurt eine bisher gänzlich unbekannte Kupferplattcaufgefunden, welche einen Papicrumschlag mit der Jahrzahl i4<?7hatte, und nie abgedruckt worden zu seyn schien. Man brachte siedaher unter die Presse, und die neuen Abdrücke zeigen auch diePlatte noch in ihrer ursprünglichen Schärfe. Links steht ein jungerMann mit langem Lockenhaar, welches zum Thcil von einer niedrigen,mit einem Reiherbusch geschmückten Kappe bedeckt wird. Er trägteinen geschlitzten Warn ms mit Ucberwurf, und die Schuhe habenSchnäbel. Im Wappenschilde, welchen er in der Rechten hält, zeigensich zwei Glieder einer Kette von zwei Armen gehalten. Dieses Wap-pen wiederholt sich als Zierde des in der Mitte stehenden, mit lang