Druckschrift 
1 (1858) A - CF
Entstehung
Seite
796
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796 BFVF. Nr. 1849.

Gemälde dieses Meisters, welcher einen hohen Sinn für Compo-situm im Style des Michel Angelo hatte, findet man in Kirchen zuFlorenz, Urbino, Bologna, Osimo, im Kirchenstaate und zu Venedig.Sie sind thcils mit dem Namen, theils mit den Initialen bezeichnet.Für die Majolica-Fabrik des Herzogs von Urbino fertigte er um 1540viele Zeichnungen zur Verzierung von Gefässen. In der Vasensamm-lung der Spezieria zu Loreto sind vier Vasen mit den Evangelistenmit B. F. V. F. bezeichnet. Auf Majolica malte indessen Franco nicht.Orazio Fontana bediente sich aber der Zeichnungen desselben.

Bartsch P. gr. XVI. p. 118—154 beschreibt 93 Blätter diesesMeisters, und fügt 15 andere in einem Anhange bei, da sie ihm nichtmit voller Sicherheit zugeschrieben werden können. Franco bedientesich nur der Kadirnadel, und besorgte die Aetzung. Einige Blättersind flüchtig radirt, und im ersten Drucke bemerkt man keine Nach-hülfe mit dem Stichel oder der Schneidnadel. Man kann sie eigent-liche Actzdrücke nennen, welche unmittelbar von der Hand des Mei-sters kommen. Die zweite Gattung ist etwas sorgfältiger radirt, undum Harmonie zu bewirken, arbeitete er hier und da mit der Schneid-nadel in die Platte. Auch diese Abdrücke gehören zu den ersten,und zeigen keine Spur einer fremden Hand. Eine dritte Gattung vonOriginalradirungen ist mit feiner Nadel bewirkt, und das Aetzwasserhat wenig durchgegriffen, so dass die Abdrücke zart und klar imBilde erscheinen. Man findet aber sehr selten Exemplare dieser Art,da die Platten eng überstochen wurden, und zwar in nach verschiede-nen Richtungen laufenden Lagen, welche öfter mit Punkten ausgefülltsind. Diese Arbeit übernahm ein anderer Künstler, welcher wenigerSinn für malerische Wirkung hatte. Die Blätter der vierten Klassesind breit, aber zierlich radirt, und durch das Aetzwasser so weit ge-fördert, dass es nur der Schneidnadel bedurfte, um die abgestumpftenStriche in feine Spitzen auslaufen zu lassen. Die früheren Abdrückehaben weder Namensbuchstaben noch eine Adresse, und die Verschie-denheit der Behandlung möchte glauben machen, dass es sich nichtum Produkte des einen und desselben Meisters handle. Die Initialendes Namens und die Adresse wurden grösstcntheils erst nach derUeberarbeitung mit dem Stichel auf die Platten gesetzt. Auch Frauco'svoller Name kommt erst in späterem Drucke vor. Man muss aber beiletzterem unterscheiden, ob die Platte einer Retouche unterworfen war,oder nicht. Es wurden bei dieser Gelegenheit radirte Stellen mit demStichel aufgestochen, und zuweilen auch die Adresse weggenommen.Die Abdrücke ohne Adresse sind daher nicht immer erster oder zwei-ter Art. Man findet ungefähr zwanzig Blätter mit den Initialen. DasBlatt mit der Adresse N N. exe. (Nicolo Nelli) stellt mehrere Todten-köpfe in Friesform dar, B. App. No. 4.

Nachtrüge zum Peiiitrc-gravcur von A. Bartsch.

1) (B. No. 11) Die Kreuztragung. H. 9 Z. 2 L. Br. 12 Z. 6 L.

Man hat drei verschiedene Abdrücke:

1. Vor den Initialen B.F. V. F., und vor der Adresse: In Venelia uSta. Fo$ca.

IL Mit den Initialen und der Adresse, aber vor der Retouche.

III. Mit den Initialen und ohne Adresse. Das Laub des Baumes,welcher sich links hinter den zwei Reitern zeigt, ist in I. u. ILradirt, wurde aber bei der Retouche ganz mit dem Stichel ein-gestochen. Die Luft blieb ursprünglich leer, dann aber wurdenWolken eingestochen.