688 B. Nr. 1563.
dition nannte man ihn den alten Beatrieius, so dass ein jüngererMeister dieses Namens gelebt haben müsste. Allein die ganze Hypotheseberuht vielleicht nur auf der Verwechslung des Nicolaus Beatmet mitdem unbekannten Meister mit dem Würfel. Der alte Beatrieius wurdeaber lange festgehalten, und um auch eine Heimath für ihn zu finden,wurden vorncinlich jene Blätter in's Auge gefasst, welche mit II V. be-zeichnet sind. Diese Kupferstiche sind so sehr im Style des Meistersmit dem Würfel bebandelt, dass man nur seine Hand vermuthell kann,und daher boten sie den Anhaltspunkt zu einer weiteren Hypothese,welche auf die Deutung des Buchstaben V ausging. Man construii'te nuneinen Beatrieius Venelianus, ohne in den Künstlerregistorn einen Meisterdieses Namens nachweisen zu können. Orlandi, und nach ihm Zanimachen auf einen Giovanni Francesco Zabello aus Bergamo aufmerksam,welcher um 1546 Muster für Fbenistcn zu eingelegten Arbeiten zeich-nete, und auch Bildschnitzer war, wie seine Chorstühle im Dome zuBergamo beweisen. Das Wort Zabello sollte die Bedeutung des Würfelshaben, und der Buchstabe B auf demselben auf die Stadt Bergamo sichbeziehen, so dass der alte Beatrieius Venelianus in dem Zabellus Berga-mensis einen Nebenbuhler fand. Diese Erklärung fand indessen wenigEingang, zum Curiosum gestaltete sie aber Bryan, welcher in seinem„Biographical and critical dictionary" den Zabello des Orlandi als Kupfer-stecher aufnahm, und das II auf dem Würfel dem deutschen MeisterBarthel Beham vindicirte, so dass für den Kbenisten aus Bergamo nichtsübrig blieb. Auch andere wollten den Würfel zum Rebus des Familien-Namens unsers Meisters machen, und sie nannten ihn desswegen DaSoder Dado. Allein die Meister dieses Namens waren Florentiner, undBernardo Dadi (Daddi), der einzige, welcher hier einstehen müsste, lebteals Schüler des Spinello Arotino um 1350, also um mehr als hundertJahre früher. Wir könnten indessen einen Meister Dado der Zeit un-sers Kupferstechers naher bringen, aber ohne Erfolg auf die Lösungdes Zeichens. Im k. Museum zu Madrid ist nämlich ein Gemälde,welches den hl. llieronymus in Meditation vorstellt, mit der Bezeich-nung: Mdad 1521. Pedro de Madrazo beschreibt es im Catalogo delReal Musen von 1845 unter No. 977, erkennt aber darin ein Werk deralt-niederländischen Schule. Wir sind daher keineswegs bemüssiget,einen Maler Dado oder Maestro Dado herauszufinden.
Bartsch und die Mehrzahl der neueren italienischen Schriftstellernehmen also mit mehr Recht den Würfel wie er ist, und sie nennenden Stecher „Maiire au de, oder Maestro del dado." Die Deutschessind von jeher mit geringer Ausnahme dem Meister mit dem Würfeltreu geblieben, ohne auf einen Familiennamen Dado oder Zabello ein-zugehen. Auf den alten Beatrieius nahm man mehr Rücksicht, abernur weil ihn einige als Vorgänger des N. Beatrizet ansahen.
Die Blätter mit dem Würfel sind nach den beigefügten Jahrzahlenum 1532—1533 entstanden, und daher nahm man an, dass der Stecherum 1510 geboren sei. Der Stichweise nach scheint er einer der vor-züglichsten Schüler des Marc Anton gewesen zu seyn. Doch sind nichtalle Blätter von gleicher Güte, und manchmal im Style abweichend'Auch die Figuren sind gewöhnlieh etwas schwerfällig und eckig, aberindividuell in den Charakteren. Die Verzeichnisse der Blätter, welchevor Bartsch erschienen, sind sehr unverlässig, da jene des N. Beatrizetund des O. Bonasone damit vermengt werden. Auch wurde ihm einegrosse Anzahl von anonymen Stichen beigelegt, welche in ihrer Mittcl-mässigkeit keinen Vergleich aushalten. Der Styl des Meisters // mitdem Würfel ist so eigentümlich, dass man selbst von den Erzeugnissenjener Künstler, welche ihm am nächsten kommen, nicht beirrt wird-