638 AVO. Nr. 1464.
Ueberarbeitungen mit der Schneidnadel oder dem Stichel für nothwendig,und um nun die Abdrucksgattung bezeichnen zu können, musS man dieMerkmale der betreffenden Stellen angeben. Erst später wurden diePlatten retouchirt, und die Einfassungslinien mit dem Stichel verstärkt.Ueberdiess ist aber noch sehr viel zu bemerken, um den Meister nachseiner Seltenheit und Trefflichkeit zu würdigen.
Man glaubt, dass zu Ostade's Zeit keine Gesammt-Ausgabe derBlätter bekannt war, und dass diese erst von B. Picart veranstaltetworden sei. Mr. Guichardot gibt aber No. 1925 zwei Titelblätter au,welche in der Schrift etwas abweichen, und wovon das erste und sel-tene folgende Schrift hat: 't Werde compleet, van den vermaarde SchilderADIIIAAN van OST ADE, alles door hem seift ijeinventeert en ueest, OEuvrcscompletes WA DIU AN de OSTADE, peinlre celebre Invenlees et (Iravees purluy-meme, fol. — Das zweite Blatt hat den Titel: 't Werck complet, vanden vermaarde Schilder ADIIIAAN van OSTAÜE, door hem selfs yeinventeerten geest. OEuvre complet, D'ADIUEN van OST ADE, peinlre celebre In-vente et Gravi par luy-mc'me, fol.
Das zweite dieser nicht ganz correcten Titelblätter gibt R. Weigel derGesammt-Ausgabe des B. Picart, welcher als Franzose nicht „Oeuvre com-plete", statt „complet" schreiben konnte, wie Ostade nicht „Werck com-plet", statt „COmpleef gesetzt haben würde. Uebrigens aber geht aus derAngabe bei Guichardot nicht deutlich hervor, dass der erste Titel ausOstade's Zeit stamme. Die Ausgabe des B. Picart (f 1721) hat noch.sehr gute Abdrücke, obgleich einige Platten leichte Rotouchcn erlitten.Sic enthält 52 Originalabdrücke mit dem pissenden Bauer Cat. ItigalNo. 52, welcher aber nicht von Ostadc herrührt. Unzerschnitten zähltdas Werk 18 Folioblätter, und auch Ostade's Bildniss ist beigegeben.Es ist in schwarzer Manier behandelt, und mit Jan Gole's Adresse ver-sehen. Zuweilen findet sich auch ein zweites Bildniss des Künstlersmit langen Haaren nach C. du Sart, ebenfalls in Mezzotinto und mitGole's Adresse. Eine weitere Ausgabe des Werkes des Adrian vanOstade besorgte der bekannte Kupferstecher Basan, welcher aber diePlatten bereits in abgenütztem Stande erhielt, so dass sie retouchirtwerden mussten. Er fügte weder das Titelblatt, noch das Bildniss desMeisters bei. Nach Basan's Tod (1797) kamen die Platten nach Hol-land, wo die Gesellschaft der Kunstfreunde in Ober-Ysscl eine neueGesammt-Ausgabe mit Titel und Inhalts - Verzeichniss veranstaltete.Die Platten wurden in rother und blauer Farbe abgedruckt, die Obcr-Ysscler haben aber dadurch kein günstiges Zcugniss für ihren Kunst-sinn gegeben. Sie lieferten eine Waare für wandernde Kunstkrämer.Die schlechtesten Abdrücke sind indessen jene der Wittwe Jean inParis, welche im zweiton Decennium unseres Jahrhunderts die Plattenauf 22 Foliobogen abziehen Hess. Auf die schlechten Abdrücke gehenwir in den folgenden Zusätzen nicht ein, da sie für den Sammler nureinen sehr geringen Werth haben, während die alten Abdrücke, und dieCuriositäten in einem hohen Preise stehen. Die späten, mit dem Stichelretouchirten Abdrücke berücksichtigen wir unten wenig oder gar nicht.
Supplemente
zum Peintre-graveur und zum Nagler'sohen allgemeinen Künstler-Lexicon, nacbMr. F. Guichardot im Cabinet van den Zande, dem Catalog H. Weber (von F.
Heimsoet) &c, sowie nach dem Werke im k. Cabinot zu München.(Die Nummern sind jene bei Kartflch, der tiiic.ii.itahe W. bezieht sich auf die Supple-mente von R, Weifri.t
I. Ciasset Büsten.
1) und 2) Der lachende Bauer mit der kleinen schwarzen Mütze,und die lachende Bäuerin, kleine Büsten, s. unter A. o. No. 1093.