Druckschrift 
1 (1858) A - CF
Entstehung
Seite
522
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522 AS. Nr. 1220.

aber wahrscheinlich auch die kleinen Bursche gedungen, welche aufdem reichen und witzvollen Matte Bügeleisen und Pantoffel herbei-schleppen. Die vielen Gemälde aufzun&hfen, welche dem Künstler Ruhmerwarben, verbietet hier der Raum. Eine Anzahl derselben haben wirim Künstler-Lexicon XVI. S. 24 namhaft gemacht, und dabei auf diemeisterhaften Zeichnungen hingewiesen, welche Schrödter selbst, oderandere Künstler nach ihm radirt und lithographirt haben. Auch meh-rere seiner Gemälde sind durch Nachbildungen bekannt.

Auf früheren Gemälden und Zeichnungen findet man das Mono-gramm des Meisters, später setzte er meistens den Namen auf seineMalwerke. Nach seinem Traume von der Flasche fand er die Buch-stabon AS gewöhnlich überflüssig, und der Pfropfzichor galt allein fürSehrödter's Wahrzeichen. Der bedeutungsvolle Pfropfzieher gab Ver-anlassung zu jener höchst launigen und phantasiereichen Composition,welche der Künstler 1831 meisterhaft radirt hatte. Wir werden daherdiesem Instrumente unter den figürlichen Zeichen eine Stelle einräumen.

Hier bemerken wir nur noch , dass Schrödter im Jahre 1848 vonDüsseldorf nach Frankfurt a. M. übergesiedelt. Seine Feier erstrecktsich daher nicht allein auf die Weine des Rhein, sondern auch aufjene des Main. In Frankfurt machte er sich zuerst durch die Heraus-gabe seines allbekannten Piepmaier bemerkbar, über welchen wir auchNo. 163 gehandelt haben, da auch A. von Boddien betheiliget ist.Seitdem bat aber Schrödter viele andere Zeichnungen und Bilder ge-liefert, die alle mit dem ihm eigenthümlichen Humore behandelt sind.So Münchhausen, wie er eine Punschgescllschaft durch die Erzählungseiner Jagdabenteucr in lebendiger Spannung erhält, herab bis auf dieHunde. Ausgezeichnet ist ferner ein Fries in neun Aquarellzeichnungen,welche in langem Zuge den Hofstab des deutschen Wein nach dem Ge-dichte von A. v. Marees uns vorführen. Der Fürst des Weines, imköniglichen Ornate, sitzt auf einer geschmückten Weinkelter, und wirdvon fröhlichen Männern, Mädchen und Kindern gezogen. Zu den Seitentragen schöne Pagen prachtvolle Kannen und Pokale, und zunächstfolgen die Beamten der Krone: Kellermeister und Fassbinder, umgebenvon Knaben, welche Reife schwingen, während der Schalksnarr auf demrollenden Fasse springt. Weiter tritt majestätisch der alte Rhein ein-her, begleitet vom Herrn Stein und dem lieblichen Main. Die Lieb-frauenmilch, der Rüdesheimer, der Steinberger, der Fürst Johannisberg,der Domdechant, der Marktbrunner, die Mosel &c. folgen drei zu dreinach, und dann kommen Schmaus, Saus und Braus, der Cavalicr Ge-nuss mit Dame Kuss, und den alten Schluss suchen muthwillige Knabenvergeblich abzuhalten. Dieser Zug ist voll Leben, Laune und Humor,blieb aber bisher nur in der Zeichnung, welche 1851 König FriedrichWilhelm IV. von Preussen erwarb. Seit Vollendung dieses Werkes hatSchrödter mehrere humoristische Bilder und Bildchen in Oel gemalt,unter denen sich besonders der Rattenfänger nach Göthe auszeichnet.Jm Jahre 1853 malte er den Festzug des Königs Rheinwein, ebenfallsin Friesform. Der blondgelockte Rebenfürst thront im Purpurmantelauf der Kelter. Die Insignicnträger begleiten den Wagen, welchenein Zug von Männern, Weibern und Kindern in bacchantischer Lustfortbewegt. Hintendrein schreiten in unübertrefflichem Selbstbewust-seyn die Küper, und am Wege stehen die Zuschauer. Die oben erwähnteAquarellzeichnung liegt nicht zu Grunde, da das Oolgemälde speciellden Triumph des Rheinweines zum Gegenstande hat. In einem klei-neren Bilde ist Falstaff wider vorgeführt, aber während er auf einemfrüheren Gemälde Truppen inspicirt, wird er hier von den Weibern inWindsor ins Wasser geworfen.