Druckschrift 
1 (1858) A - CF
Entstehung
Seite
487
Einzelbild herunterladen
 

AP. Nr. 1109. 487

der Stiche von und nach Meistern der Schule von Fontainebleau be-ginnt. Es stellt zwei stehende Frauen im römischen Costüme vor, dieeine in Profil mit der Hand an der Brust, die andere en face mit aufder Brust gekreuzten Armen, und einem Schleier über dem Kopfe.H. 7 Z. Br. 4 Z. 3 L. Dieses Blatt ist breit und geistreich radirt,wohl eines Malers vollkommen würdig, aber ohne Zeichen und Namen.Es wurde von jeher dem Primaticcio zugeschrieben, aber ohne einenanderen Beweis dafür zu haben, als die Tradition, welche jedenfallsBerücksichtigung verdient, obgleich sie eine gcgcntheiligc Meinung nichtausschliossen kann. Wenn aber je Blätter von Primaticcio vorhandensind, so müssen jene mit obigem Zeichen für den Künstler in Anspruchgenommen werden, obgleich sie Bartsch XVI. p. 509 den Erzeugnissender römischen Schule anreiht. Andere Kenner chalcographischer Pro-dukte finden darin aus inneren und äusseren Gründen den Geist unddie Hand des Primaticcio, welcher als Maler der Nadel zur Erreichungseines Zweckes sich bediente, ohne auf eine regelmässige, und stetsgleiche Behandlung zu sehen. Ein ähnliches Monogramm, gewöhnlichmit vorgesetztem F, und der Abbreviatur HOL. IN., kommt auch aufStichen narh Gemälden und Zeichnungen des Künstlers vor. Nur daserste Zeichen der zweiten Reihe wird bei Brulliot I. No. 672 mit Un-recht auf Primaticcio bezogen. Es stellt ein junges Weib vor, welchesauf dem Steine in der Nähe eines Baumes sitzt. Der linke Arm istausgestreckt, da es nach einem am Baume hängenden Apfel deutet.hn Grunde breitet sich Landschaft aus, und links unten bemerkt mandas Zeichen. H. 5 Z. 4 L. Br. 3 Z. 11 L. Dieses Blatt ist von PietroAquila radirt und gestochen, fast um ein Jahrhundert später, als Pri-maticcio lebte.

Folgende Blätter beanspruchen wir für Primaticcio, doch nur inden Aczdrückcn. Die Vollendung mit dem Stichel erfolgte durch zweiteHand, da wir die Führung desselben dem Künstler nicht zumuthenkönnen. Die Zierwerke dürften ihm zunächst angehören. Bartsch be-sehreibt die ersten fünf Blätter, gibt aber von dem Monograministcnnicht die geringste Nachricht. Heller, Handbuch für Kupferstichsammler*te Ausgabe S. 858, nennt ihn einen um 1550 in Italien lebendenKupferstecher, welcher nach Rafael gearbeitet habe, wahrscheinlich weil~ er 15. Band des Peintre graveur über die Stecher der Schule desRafael und Marc Anton handelt. Mit dem beigefügten Monogramme'st aber Heller in vollem Irrthume, da es nicht das von Bartsch gege-bene, sondern jenes des Pietro Aquila ist. Wenn man einwenden wollte,dass die unten beschriebenen Blätter nicht in der Weise der Schulev °n Fontainebleau behandelt sind, so ist zu entgegnen, dass PrimaticcioSeine Künstlcrbildung in Italien erlangt habe, und somit es keine Folgesei, dass er gerade in jener Weise radiren musste, welche den Meistern"er Schule von Fontainebleau eigen ist. Letztere dürften aber die Ver-anlassung gewesen seyn, dass Primaticcio noch in seiner späteren ZeitJf'e Nadel zur Hand nahm, womit er gleichsam spielend seine Ideenfesthielt. Wir wollen indessen zugeben, dass ihn dabei eine geübtere**and unterstützte, welche er aber selbst wieder förderte.

1) Ein alter Triton mit der Muschel, auf welcher er bläst. Einjunger Triton trägt das Ruder. Rechts unten ist das Zeichen, und links«e Jahrzahl 1055. H. HZ. 6 L. Br. 5 Z. 5 L. — Dieses von Bartsch**■ 1 erwähnte Blatt ist gestochen, und kann daher von Primaticcio"jeht selbst herrühren, da dieser sich nur der Nadel bediente. Dasj™°nogramm wurde auch erst später eingestochen, da sich alte Abdrücke°hnc dasselbe finden. Die Form des Zeichens ist die des ersten der°oen gegebenen Monogrammen.

36*