Druckschrift 
Fiorenza
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

I

Wenn du bei mir liegen wirst, süße Fiore, will ich dirvon meinen Siegen in den Gymnasien des Eros er-zählen.

Fiore: Ich will dir nicht gehören, Piero de' Medici!

Piero: Hölle und Hades, das will sagen, daß Ihrmich verachtet?!

Fiore: Das will sagen, daß Ihr mich unaussprech-lich langweilt.

Piero: Höret, Madonna, ich spreche zu Euch wie zueiner Dame, auf deren Liebreiz und Bildung man galanteRücksicht nimmt, aber ich bin nicht gesonnen, um EuereLiebe zu winseln, als seiet Ihr eine ehrsame und züchtigeBürgersfrau. Wollt Ihr spröde tun, so wird das meineLust versüßen; aber ich bitte Euch, verlangt nicht, daß ichEuere Grausamkeit sonderlich ernst nehme. Wer seidIhr, daß Ihr Euch den Anschein gebt, als wolltet Ihrmeine Wünsche zurückweisen? Ihr seid aus fiorentini-schem Adelsblut, aber Euer Vater zeugte Euch ohne'Priestersegen und starb im Exil zum Lohn für sein Ein-verständnis mit Luca Pitti. Ihr lebt, indem Ihr Wonnespendet im Dienste der Aphrodite, und Lorenzo ersah sichEuch zu seiner Lust, als man ihm in Ferrara Feste gab.Ihr werdet nicht zweifeln, daß Piero Euere Liebkosungenso fürstlich zu belohnen wissen wird, wie sein Vater...

Fiore: Ich will dir nicht gehören, Piero de' Medici.

Piero (rasend): Wem dann? Wem dann? Du hastschon einen andern Liebhaber, schamlose Buhlerin?!

YZ