schüttert ihn seine eigene Leidenschaft, und man sagt,daß er nach jeder Predigt vor Erschöpfung das Betthüten muß. Seine Stimme ist so wunderlich leise, undnur sein Auge und seine Gebärde gibt ihr scheinbar zu-weilen eine entsetzliche Donnerkraft. Ich will Euch nurbekennen ... manchmal, wenn ich allein bin, nehme ichmeinen venezianischen Spiegel und versuche, ihm nach-zuahmen, wie er seine grellen Blitze gegen den Klerusschleudert. (Kopierend.) „Aber jetzt werde ich meineHände ausstrecken, spricht der Herr; jetzt komme ich zudir, feile, unzüchtige Kirche, verruchte, nichtswürdige,schamlose! Mein Schwert wird niederfahren auf deineNepoten, auf deine Schandstätte, deine Dirnen, deinePaläste, und du wirst meine Gerechtigkeit fühlen ..Ja, freilich! aber seht, ich kann es nicht. Ich würdeeinen jämmerlichen Bußprediger abgeben. Florenzwürde mich weidlich auslachen, das freche Frauen-zimmer! ... Was ich aber noch weniger könnte, als er,obgleich ich doch Kardinal bin und Papst werden sollund er nur ein armer Bettelbruder ist, das ist dies, zu-künftige Dinge vorherzusagen, Meister Angelo. VorJahr und Tag hat er den baldigen Tod des Papstesund meines Vaters, des Magnifico, verkündigt, undGott wolle nicht, daß diese Prophezeiung vollends ganzin Erfüllung gehe. Soviel aber ist heute Tatsache: Derlebenslustige Mann, der sich mit so hübscher Ironie denNamen Jnnocenz gab, liegt seit Wochen in einer Art
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