Druckschrift 
Fiorenza
Entstehung
Seite
10
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Nun also! Was aber den Ferraresen betrifft, so habeich wirklich Lust, ein wenig über ihn zu plaudern. Ihrmüßt zugeben, daß er bei all dem eine eigentümliche undfesselnde Erscheinung ist. Er ist Prior eines Bettel-ordens, und man muß die Bettelorden verachten. Siesind Gegenstand des öffentlichen Gelächters, und so oftich in Rom war, habe ich erfahren, daß sie der Kirchenichts als eine Verlegenheit sind. Wenn nun aber einerder mißachteten und verhöhnten Fratri aufsteht undvermittelst seiner seltsamen Gaben nicht allein alle Vor-urteile gegen seinen Stand überwindet, sondern auchdie allgemeine Bewunderung auf sich lenkt...

Poliziano: Bewunderung! Wer bewundert ihn?Ich nicht. Ich gewiß nicht. Der Pöbel ehrt ihn alsseinesgleichen.

Giovanni: Nein, nein, nein, Meister Angelo, erist nicht Pöbelsgleichen! Und nicht nur darum, weil ereiner alten und hochangesehencn Bürgerfamilie vonFerrara entstammt. Ich habe ihn mehrere Male inSanta Maria del Fiore gehört und ich versichere Euch,ich habe einen ungemeinen und vielfältig zusammen-gesetzten Eindruck von ihm davongetragen. Ich gebeEuch zu, daß er in einer verblüffenden Weise jeder Kul-tur und Zierlichkeit ermangelt; aber beobachtet man ihngenauer, so scheint es trotzdem, als müsse er am Körperwie an der Seele von seltsam zarter Beschaffenheit sein.Oftmals, auf der Kanzel, muß er sich setzen, so sehr er-