Druckschrift 
Fiorenza
Entstehung
Seite
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Liebe" herrsche eine „obszöne Tugendhaftigkeit" Ichfinde das gut, hehe! Es ist scharf gesagt... einerlei...

Poliziano (nach einer Pause): Ich bin gekränkt,Herr Giovanni, bin es mit Grund. Ihr seid unauf-merksam heute Nachmittag, wart unaufmerksam schonwährend der ganzen Lektüre und zwar im höchstenGrade. Ich habe es auf die Ungunst, die Unruhe undSorge der Stunde geschoben. Euer herrlicher Vater istkrank, sehr krank, uns allen bangt um sein Leben. Abererstens setzen wir unsere Hoffnungen in die kostbareMedizin, die der jüdische Arzt aus Pavia ihm verabreichthat, und außerdem scheint mir, daß uns gerade in Stun-den der Not und des Schmerzes die Philosophie als dievornehmste und willkommenste Trösterin erscheinensollte. Dennoch würde ich es nur zu wohl verstehen,wenn der Gedanke an Euren Vater Euren Sinn vonden Studien abzulenken vermöchte. Da ich aber er-kennen muß, daß Ihr Euch viel mehr mit — dem BruderGirolamo beschäftigt, dieser lächerlichen Kutte, dieserFratze von einem Bettelmönch ...

Giovanni: Wer beschäftigte sich nicht mit ihm?...Ihr müßt mir verzeihen, Meister Angelo! Seht her:Seid nicht böse! Seid gut! Es steht Euch nicht zu Ge-sicht, zornig zu fein. Ihr müßt immer schöne, gemesseneund durchsichtige Dinge sprechen. Liebe ich Euch odernicht? Wer weiß fast alle Eure Oktaven und Euer gan-zes Kellerfest in lateinischen Hexametern auswendig?

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