geworden, was an der schief gebückten Haltung liegen mochte,aus der er ein verschmälertes Gesicht, ein Ecce homo-Ant-litz, trotz der ländlich gesunden Hautfarbe, mit weh geöff-netem Munde und blicklosen Augen zu mir emporhob. Hatte ermich zuletzt in Pfeiffering nicht erkennen wollen, so warjetzt unzweifelhaft, dass er mit meiner Erscheinung, trotzeiniger Mahnung durch die alte Frau, keinerlei Erinnerungenmehr verband. Von dem, was ich ihm über die Bedeutung desTages, den Sinn meines Kommens sagte, verstand er augenschein-lich nichts. Hur die Blumen schienen einen Augenblick seineTeilnahme zu erregen; dann lagen auch sie unbeachtet da.
Hoch einmal sah ich ihn 1939, nach der Besiegung Polens,ein Jahr vor seinem Tode, den seine Mutter als Achtzigjähri-ge noch erlebte. Sie führte mich damals die Treppe hinaufnach seinem Zimmer, in das sie mit den ermunternden Worten:"Kommen Sie nur, er bemerkt Sie nicht!" hineinging, währendich voll tiefer Scheu im Türrahmen stehen blieb. Im Hinter-gründe des Zimmers, auf einer Chaiselongue, deren Pussendemir zugekehrt war, sodass ich ihm ins Gesicht sehen konnte,lag unter einer leichten Wolldecke der, der einst Adrianleverkühn gewesen war, und dessen Unsterbliches nun so heisst.Die bleichen Hände, deren sensitive Bildung ich immer geliebthatte, lagen, wie bei einer Grabfigur des Mittelalters, aufder Brust gekreuzt. Der stärker ergraute Bart zog das ver-schmälerte Gesicht noch mehr in die länge, sodass es nun auf-fallend dem eines Greco'sehen Edlen glich. Welch ein höhni-sches Spiel der Hatur, so möchte man sagen, dass sie dasBild höchster Vergeistigung erzeugen mag, dort, wo der Geistentwichen ist! Tief lagen die Augen in den Höhlen, die Brau-en waren buschiger geworden, und darunter hervor richtetedas Phantom einen unsäglich ernsten, bis zur Drohung for-schenden Blick auf mich, der mich erbeben liess, aber schonnach einer Sekunde gleichsam in sich zusammenbrach, so dass
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