baren Anlass zu einem Zornesausbruch des Sohnes gegen dieMutter, einem von niemandem erwarteten Wutanfall, der Frauleverkühn zwang, den Rest der Fahrt, fast die Hälfte, ineinem anderen Abteil zurückzulegen und den Kranken mit demWärter allein zu lassen.
Es war ein einmaliges Vorkommnis. Niemals hat Ähnlichessich wiederholt. Schon als sie sich ihm bei der Ankunft inWeissenfeis wieder näherte, schloss er sich ihr unter Kundge-bungen der Liebe und Freude an, folgte ihr dann daheim aufSchritt und Tritt und war ihr, die sich völlig und mit einerHingabe, deren nur eine Mutter fähig ist, seiner Pflege wid-mete, das lenksamste Kind. In Haus Buchei, wo ebenfallsseit Jahren eine Schwiegertochter waltete und schon zweiEnkel aufwuchsen, bewohnte er dasselbe Zimmer im Oberstock,das er als Knabe mit seinem älteren Bruder geteilt hatte,und wieder war es nun, statt der Ulme, die alte Linde, derenZweige unter seinem Fenster sich regten, und für deren wun-dervollen Blütenduft, in der Jahreszeit seiner Geburt, erZeichen von Empfänglichkeit gab. Viel sass er auch, seinemHindämmern von den Hofleuten bereits mit Seelenruhe überlas-sen, im Schatten des Baumes auf der Rundbank, dort, wo einstdie plärrende Stallhanne Kanons mit uns Kindern geübt hatte.
Für seine körperliche Bewegung sorgte die Mutter, indem sie,ihren Arm in seinem, Spaziergänge durch die stille Landschaftmit ihm machte. Begegnenden pflegte er, ungehindert von ihr,die Hand zu reichen, wobei der so Begrüsste und Frau Lever-kühn einander nachsichtig zunickten.
Für meine Person sah ich den teueren Mann wieder im Jahre1935» als ich, schon emeritiert, zu seinem fünfzigsten Geburts-tag als trauernder Gratulant mich auf dem Buchelhof einfand.
Die Linde blühte, er sass darunter. Ich gestehe, mir zitter-ten die Kniee, als ich, einen Blumenstrauss in der Hand, ander Seite seiner Mutter zu ihm trat. Er schien mir kleiner