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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Pflicht, den Kranken, von Dr. Kürbis mit kalmierenden Dro-gen für die Reise Zubereiteten, nach München in die geschlos-sene Nervenheilanstalt des Dr. von Hösslin in Nymphenburgzu bringen, wo Adrian drei Monate verbrachte. Die Prognosedes erfahrenen Fachmannes hatte sogleich ohne Rückhalt dahingelautet, dass es sich um eine geistige Erkrankung handle,die nur progredieren könne. Sie werde aber gerade im Fort-schreiten die lautesten Symptome wohl bald ablegen und durchsachgemässe Behandlung in stillere, wenn auch nicht hoffnungs-vollere Phasen zu überführen sein. Eben diese Auskunft wares, die Schildknapp und mich nach einigen Ratschlägen bestimm-te, von der Benachrichtigung der Mutter, Elsbeth leverkühnsauf Hof Buchei, noch etwas abzusehen. Es war ja gewiss, dasssie auf die Kunde von einer Katastrophe im Leben ihres Soh-nes zu ihm herbei eilen werde, und wenn Beruhigung zu erwar-ten war, so schien es nicht mehr als menschlich, ihr den er-schütternden, ja unerträglichen Anblick des von Anstaltspfle-ge noch ungemilderten Zustandes ihres Kindes zu ersparen.

Ihres Kindes! Denn das, und nichts anderes mehr, warAdrian Leverkühn wieder, als die alte Frau eines Tages -das Jahr ging gegen den Herbst - in Pfeiffering eintraf, umihn mit sich in die thüringische Heimat, an die Stätten sei-ner Kindheit zurückzunehmen, zu denen sein äusserer Lebens-rahmen längst schon in so seltsamer Entsprechung gestandenhatte: - ein hilfloses, unmündiges Kind, das dem stolzenFlug seiner Männlichkeit keine Erinnerung mehr, oder einesehr dunkle, in seiner Tiefe verborgene und vergrabene, bewahr-te, das wie einst an ihrer Schürze hing, und das sie, wiein frühen Tagen, warten, gängeln, berufen, ihm "Unartigkeiten"verweisen musste, oder - durfte. Schauerlich Rührenderesund Kläglicheres ist nicht zu erdenken, als wenn ein vonseinen Ursprüngen kühn und trotzig emanzipierter Geist, nach-dem er einen schwindelnden Bogen über die Welt hin beschrieben,

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