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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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gerufen hatte, - eine Handlung unsinnigen Vertrauens aller-dings; denn Mitmenschen sind nicht gemeint und gemacht, sol-cher Wahrheit anders zu begegnen, als mit kaltem Grauen undmit der Entscheidung, die sie sehr bald, als es nicht mehranging, sie als Poesie zu betrachten, einhellig darüber aus-sprachen.

Es hatte nicht den Anschein, als ob jene Einwürfe über-haupt zu unserem Gastgeber gedrungen wären. Sein Sinnen,wenn er pausierte, machte ihn offenbar unzugänglich für sie.

- Merkt es nur, nahm er seine Rede wieder auf, - sondersachtbare liebe Freunde, dass ihrs mit einem Gottverlassenenund Verzweifelten zu tun habt, dessen Leichnam nicht an ge-weihten Ort gehört, zu frommen abgestorbenen Christen, son-dern auf den Schindwasen zu den Kadavern verreckten Viehes.Auf der Bare, ich sag es euch zuvor, werdet ihr ihn immerfinden auf dem Gesichte liegen, und ob ihr ihn fünfmal um-drehet, er wird doch wieder verkehrt liegen. Denn langeschon bevor ich mit dem giftigen Falter koste, war meineSeel in Hochmut und Stolz zu dem Satan unterwegs gewesen,und stund mein Datum dahin, dass ich nach ihm trachtete vonJugend auf, wie ihr ja wissen müsst, dass der Mensch zurSeligkeit oder zur Höllen geschaffen und vorbestimmt ist,und ich war zur Höllen geboren. Drum gab ich meiner HoffahrtZucker, dass ich theologiam studierte zu Hallen auf der HohenSchul, doch nicht von Gottes wegen, sondern von wegen desanderen, und war mein Gottesstudium heimlich schon des Bünd-nisses Anfang und der verkappte Zug zu Gott nicht, sondernzu ihm, dem grossen religiosus. Was aber zum Teufel will,dass lässt sich nicht aufhalten noch ihm wehren, und war nurein kleiner Schritt von der Gottesfakultät hinüber gen Leip-zig und zu der Musik, dass ich mich nur und allein noch abgabmit figuris, characteribus, formis coniurationum und wie sol-che Hamen der Beschwörung und Zauberei genannt sein mögen.

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