entspräche, dass aus tiefster Heillosigkeit, wenn auch alsleiseste Präge nur, die Hoffnung keimte? Es wäre die Hoff-nung jenseits der Hoffnungslosigkeit, die Transzendenz derVerzweiflung, - nicht der Verrat an ihr, sondern das Wunder,das über den Glauben geht. Hört nur den Schluss, hört ihnmit mir: Eine Instrumentengruppe nach der anderen tritt zu-rück, und was übrig bleibt, womit das Werk verklingt, istdas hohe g eines Cello, das letzte Wort, der letzte verschwe-bende Laut, in pianissimo-Fermate langsam vergehend. Dannist nichts mehr, - Schweigen und Nacht. Aber der nach-schwingend im Schweigen hängende Ton, der nicht mehr ist,dem nur die Seele noch nachlauscht, und der Ausklang derTrauer war, ist es nicht mehr, wandelt den Sinn, steht alsein Licht in der Nacht.
XLVII
“Wachet mit mir!“ - Adrian mochte im Werke wohl das Wortgottmenschlicher Not ins Einsam-Männlichere und Stolze, indas “Schlafet ruhig und lasst euch nichts anfechten!“ sei-nes Faustus wenden, - es bleibt das Menschliche doch, dastriebhafte Verlangen, wenn nicht nach Beistand, so doch nachmitmenschlichem Beisein, die Bitte:“Verlasst mich nicht!
Seid um mich zu meiner Stunde!“
Darum, als das Jahr 1930 fast auf seine Hälfte gekommenwar, im Monat Mai, lädt Leverkühn auf verschiedenen Yfegeneine Gesellschaft zu sich nach Pfeiffering, all seine Freundeund Bekannten, auch sogar solche, mit denen er wenig odergarnicht bekannt, eine Menge Leute, an die dreissig: teilsdurch geschriebene Karten, teils durch mich, wobei wiedereinzelne Geladene ersucht wurden, die Aufforderung an andere
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