nicht nur aus formeller Treue zum Pakt, und weil es "zu spät"ist, sondern weil er die Positivität der Welt, zu der man ihnretten möchte, die Lüge ihrer Gottseligkeit, von ganzer See-le verachtet. Dies wird noch viel deutlicher und ist vielstärker noch herausgearbeitet in der Szene mit dem guten al-ten Arzt und Nachbawr, der Pausten zu sich lädt, um einenfromm bemühten Bekehrungsversuch an ihm zu machen, und derin der Kantate mit klarer Absicht als eine Verführerfigurgezeichnet ist. Unverkennbar ist die Versuchung Jesu durchSatan erinnert, unverkennbar das Apage zum stolz verzweifel-ten Hein! gegen falsche und matte Gottesbürgerlichkeit ge-wendet.
Aber einer anderen und letzten, wahrhaft letzten Sinnes-verkehrung will gedacht, und recht von Herzen gedacht sein,die am Schluss dieses Werkes imendlicher Klage leise *. derVernunft überlegen und mit der sprechenden Unausgesprochen-heit, welche nur der Musik gegeben ist, das Gefühl berührt.Ich meine den orchestralen Schlussatz der Kantate* in dender Chor sich verliert, und der wie die Klage Gattes überdas Verlorengehen seiner Welt, wie ein kummervolles "Ichhabe es nicht gewollt" des Schöpfers lautet. Hier* findeich, gegen das Ende, sind die äussersten Akzente der Trau-er erreicht, ist die letzte Verzweiflung Ausdruck geworden,und - ich will’s nicht sagen, es hiesse die Zugeständnislo-sigkeit des Werkes seinen unheilbaren Schmerz verletzen,wenn man sagen wollte, es biete bis zu seiner letzten Noteirgend einen anderen Trost, als den, der im Ausdruck selbstund im Lautwerden, - also darin liegt* dass der Kreatur fürihr Weh überhaupt eine Stimme gegeben ist. Nein, dies dun-kle Tongedicht lässt bis zuletzt keine Vertröstung, Versöh-nung, Verklärung zu. Aber wie, wenn der künstlerischen Pa-radoxie, dass aus der totalen Konstruktion sich der Ausdruck- der Ausdruck als Klage - gebiert, das religiöse Paradoxon