kristallenen Engelschor und dem Höllengejohle der "Apokalypse"waltet, und die nun allumfassend geworden ist: zu einer Form-veranstaltung von letzter Rigorosität, die nichts Unthemati-sches mehr kennt, in der die Ordnung des Materials total wird,und innerhalb derer die Idee einer Fuge etwa der Sinnlosig-keit verfällt, eben weil es keine freie Note mehr gibt.
Sie dient jedoch nun einem höheren Zweck, denn, o Wunder undtiefer Dämonenwitz! - vermöge der Restlosigkeit der Form eben' wird die Musik als Sprache befreit. In einem gewissen, grö-beren und tonmateriellen Sinn ist die Arbeit ja abgetan,ehe die Komposition nur anhebt, und diese kann sich nun völ-lig ungebunden ergehen, das heisst: sich dem Ausdruck über-lassen, als welcher jenseits des Konstruktiven, oder inner-halb ihrer vollkommensten Strenge, wiedergewonnen ist. DerSchöpfer von Fausti Wehklage kann sich, in dem vororganisier-ten Material, hemmungslos, unbekümmert um die schon vorgege-bene Konstruktion, der Subjektivität überlassen, und so istdieses sein strengstes Werk, ein Werk äusserster Kalkulation,zugleich rein expressiv. Das Zurückgehen auf Monteverdi undden Stil seiner Zeit ist eben das, was ich die "Rekonstruk-tion des Ausdrucks" nannte, - des Ausdrucks in seiner Erst-und Urerscheinung, des Ausdrucks als Klage.
Aufgeboten werden nun alle Ausdrucksmittel jener emanzi-patorischen Epoche, von denen ich die Echo-Wirkung schonnannte - besonders gemäss einem durchaus variativen, gewis-sermassen stehenden Werk, in welchem jede Umformung selbstschon das Echo der vorhergehenden ist. Es fehlt nicht anwiderhallartigen Fortsetzungen, der weiterführenden Wieder-holung der Schlussphrase eines hingestellten Themas in hö-herer Lage. Orpheische Klage-Akzente sind leise erinnert,die Faust und Orpheus zu Brüdern machen als Beschwörer desSchattenreiches: in jener Episode, wo Faust Helena herauf-ruft, die ihm einen Sohn gebären wird. Hundert Anspielungen
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